Das aktuelle Wetter Oberhausen 23°C
Soziales

Kein Sparen zu Lasten von Kindern

09.10.2012 | 18:31 Uhr
Kein Sparen zu Lasten von Kindern
Ute Bruno (4.v.l.) und Mitglieder des Vereins OIG. Sie sorgen sich um das Wohl von Pflegekindern.Foto: Ulla Emig

Oberhausen.   Pflegeeltern warnen davor, den Rotstift am Pflegekinderdienst anzusetzen. 80. 000 Euro und eine Stelle sollen gekürzt werden.

Um ein Haar hätte das achtjährige Pflegekind Peter die Urlaubsreise nicht antreten können, erst in letzter Minute erhielt der Junge die notwendige Genehmigung durch seinen Vormund, dank des Einsatzes des Pflegekinderdienstes der Caritas. Doch in Zukunft könnte dieser schnelle Dienstweg für Peter und viele weitere Pflegekinder versperrt sein – aus Zeitmangel, denn die Stadt überlegt, an diesem Dienst stärker zu sparen.

80.000 Euro und eine Betreuungsstelle sollen laut einer von der Stadt beauftragten Machbarkeitsstudie gekürzt werden. Für die betroffenen Kinder und Familien hätte dies schwerwiegende Konsequenzen, kritisieren nun die Pflegeeltern. Denn über Urlaubsfahrten oder wichtige Arztbesuche dürfen sie nicht selbst entscheiden, sondern brauchen den Pflegekinderdienst als Vermittler zwischen den Institutionen und den biologischen Eltern.

Am Ende doppelt so teuer

Im Alltag bedeute dies zudem deutlich weniger Beratung und „kaum mehr Hausbesuche, um über Probleme mit dem Pflegekind zu reden“, befürchtet Ute Brunow, Vereinsvorsitzende der Oberhausener Interessengemeinschaft für Adoptiv - und Pflegeeltern (OIG). Dabei brauchen gerade solche Kinder, die aus zerrütteten Familien stammen, besonders viel Aufmerksamkeit, „sonst machen sie dicht“. „Die Stadt spart zu Lasten der Kinder, wenn es so kommt“, kritisiert die OIG. Dann müssen sich Mitarbeiter des Pflegekinderdienstes auf das Notwendigste beschränken.

Dabei liege schon jetzt die Anzahl der Kinder pro Betreuer an der Grenze der Machbarkeit. Im Durchschnitt ist gerade einmal einer für 25 Kinder zuständig, „mancher betreut sogar bis zu 48“, sagt Brunow. Neben der Betreuung suchen die Mitarbeiter geeignete Familien und qualifizieren sie zu Pflegeeltern, sie schulen bestehende weiter, beraten etwa über das Sorgerecht.

Die Pläne sparen sogar am falschen Ende, ist Ute Brunow überzeugt. Bereits die mittelfristigen Auswirkungen eines solchen Sparkurses kämen die Stadt teuer zu stehen. Denn Pflegeeltern sparen der Stadt kräftig Geld ein: Für ein Kind unter 14 Jahren erhalten sie zwar 666 Euro, ab 14 Jahren 800. Die Zahlen sind aber mit Vorsicht zu genießen, „denn die Auflagen an die Familien sind hoch“, erläutert Brunow, und eine Heimunterbringung koste das doppelte. Sollte sich die Betreuung verschlechtern, befürchtet sie, schrumpft die Zahl der Pflegefamilien, die Kosten für die Stadt wachsen hingegen.

Dennis Vollmer



Kommentare
10.10.2012
20:43
Kein Sparen zu Lasten von Kindern
von kadiya26 | #1

Eine gern gelebte, kurzsichtige Praxis der öffentlichen Hand auf allen Ebenen: Zugunsten eines vermeintlichen Spareffekts werden an anderer Stelle aufgrund der absehbaren und unabsehbaren Folgekosten umso größere Löcher gerissen.
Das ist keine Politik und kein Wirtschaften. Das ist Diletantismus und Stümperei.
Wie immer auf dem Rücken der Schwächsten ohne Lobby.

Ich bin es so leid...

Aus dem Ressort
Bilfinger: Erst Neubau in Oberhausen, dann Stellenabbau
Arbeitsplatzabbau
Kaum erfolgte der Umzug ins moderne Bürogebäude am Centro, da werden auch schon wieder Jobs abgebaut. Diesen Widerspruch versucht ein Sprecher des Unternehmens zu erklären.
Mit der Fahrradtour nach Dümpten schließt sich der Kreis
Freizeit
Die siebte und letzte Etappe unserer Sommer-Fahrradtour entlang der Stadtgrenze Oberhausens führt vom Ruhrpark in Alstaden nach Dümpten. Auf dem Weg nach Nordosten berühren wir immer wieder Mülheimer Gebiet. Am alten Landwehr-Stadion rollen die Bagger und am Schluss locken die Äpfel des Lepkeshofs.
Stadt Oberhausen bewirbt sich um Akademie
Wirtschaft
Das gemeinsame Weiterbildungsinstituts der Sparkassenverbände Rheinland und Westfalen soll an der Marina realisiert werden. Doch hat es Oberhausen mit zahlreichen Konkurrenten zu tun – unter anderem mit Essen und Mülheim. WFO-Chef Frank Lichtenheld ist jedoch vom Oberhausener Standort überzeugt.
Birkenwanzen plagen Oberhausener
Ungeziefer
Sie sind zwar nur klein, sehen aber recht eklig aus und stinken – erst recht wenn man sie zerdrückt: Birkenwanzen. In diesem Sommer sind sie in Teilen Oberhausens eine rechte Plage. Eine Anwohnerin beschwerte sich — und will sogar zu drastischen Mitteln greifen.
St. Clemens ist Ruhepunkt im Trubel von Oberhausen-Sterkrade
Rund um die Kirche
Wer durch Oberhausen-Sterkrade läuft oder fährt, der kommt an ihr nicht vorbei - der katholischen St. Clemens Kirche steht im Zentrum der Sterkrader Innenstadt mit vielen Geschäften, dem belebten Wochenmarkt und einmal im Jahr der Fronleichnamskirmes. Das Gotteshaus steht mitten im Leben - damals...
Fotos und Videos