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Handwerk

Kein Koffer wie jeder andere

09.02.2010 | 19:13 Uhr
Kein Koffer wie jeder andere

Ein Rothebuscher Handwerksbetrieb half Weihbischof Ludger Schepers jetzt aus einer ganz speziellen Klemme.

Handwerkskunden staunen bisweilen, wie lange auf Leistungen zu warten ist. Und gestern staunte auch Weihbischof Ludger Schepers, als er in seiner Rothebuscher Heimat höchstpersönlich einen sehr speziellen Reisekoffer abholte: „Das hat ein ganzes Jahr gedauert, tatsächlich.” Nicht der Koffer, nicht die Arbeit in der Firma Bolder, und es war auch kein Ärger, dem er da etwa Luft machte, sondern tiefer Respekt: „Das Handwerk ist Kunst, und Kunst kommt von Können.”

Damit meinte Schepers – vor wenigen Tagen erst aus Hongkong und Schanghai in die kalte Heimat zurückgekehrt – in allererster Linie jenen Gegenstand, der in dem „Reisekoffer” Platz finden wird. Es geht um den Hirtenstab, der in der Tat ein recht besonderer ist.

Alte Eiche

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser noch an unseren Bericht über das Brustkreuz, das der neue Weihbischof sich hatte anfertigen lassen: Es besteht aus V2A-Turbinenstahl und Eiche. Den Stahl bearbeiteten Auszubildende der KWU in Mülheim, das Holz hatte der Königshardter Leo Lippe geschnitzt – aus einem vor über 250 Jahren im münsterländischen Vreden verbauten Eichenbalken. Der gehört einst zum Haus der Schepers-Vorfahren, und ein Onkel hatte ihn beim Abriss des Hauses vor etlichen Jahren zur Seite gelegt, woran Schepers-Bruder Hermann-Josef sich erinnerte. Dieser Balken sollte aber nicht nur das „Pectorale” (das Brustkreuz also) ergeben, sondern auch den Hirtenstab, das Symbol des guten Hirten.

Aus einem harten alten Balken einen schlanken Stab zu drechseln, das ist offenbar harte Arbeit. Und ein Drechsler im bayerischen Pocking bewältigte sie. Dort – nicht weit von Altötting – wohnt der Holzschnitzer, der dem Stab Ornamente von Wein und Jordan verlieh sowie die vier Kundschafter, die Moses von der Wüste aus über den Jordan ins Gelobte Land schickte. Da wohnt der Silberschmied, der die Aufhängung einer schweren Amethyst-Weintraube („Für einen leckeren Roten”, scherzte Hermann-Josef Schepers) besorgte.

In drei Teile lässt sich der Stab zerlegen und passt so in den „Reisekoffer”. Der hatte ein Problem, das Luzie Bach von der Firma Bolder behob: Die Ecken waren so scharfkantig, dass „ich schon Probleme mit der Mitarbeitervertretung bekam und verkratzte Sakristei-Tische hinterließ”.

Die findige angehende Meisterin fahndete („Unsere Berufe sind so historisch, da braucht man Kontakte”) nach abgerundeten Ecken aus Edelstahl und brachte sie ans feine Leder. Ein kleines Kunstwerk für sich, staunte der Kirchenmann, bedankte sich und fuhr froh von dannen.

Seit 1952 gibt es an der Siepenstraße die Firma Bolder, die jetzt in dritter Generation von Timo Grothe geführt wird. Begonnen hatte alles mit Sattlerei und Polsterei – diese beiden Gewerke sind auch heute noch die Standbeine. Zwischendurch war bei „Bolder” auch mal genäht worden. Rund 30 Frauen fanden Beschäftigung in der Herstellung von Sporttaschen, Segeln für Windsurfer oder Hüllen für Ski. Asien machte vor Jahren den Markt kaputt.

Gustav Wentz

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