Karschti sieht „Hexenprozesse“

Ende 2013 war noch alles gut: Die BOB-Vorfeldorganisation „Wir sind Oberhausen“: Udo Sommer, Albert Karschti, Guido Horn, Karl-Heinz Mellis.
Ende 2013 war noch alles gut: Die BOB-Vorfeldorganisation „Wir sind Oberhausen“: Udo Sommer, Albert Karschti, Guido Horn, Karl-Heinz Mellis.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
BOB-Abtrünnige in Oberhausen gerieren sich als verfolgte Opfer der BOB-Mehrheit. Schwere Vorwürfe im Ausschluss-Antrag: Mobbing, Geld-Missbrauch, Lügen

Oberhausen.. Der Zerfall der fünfköpfigen Ratsfraktion des mit viel Hoffnung gestarteten „Bürgerbündnisses Oberhausener Bürger“ (BOB) vollzieht sich mit immer absurderen und schrilleren Argumenten, Darstellungen und Misstönen.

Die BOB-Ratsleute Albert Karschti und Andrea-Cora Walther, die zunächst die Zusammenarbeit mit der BOB-Fraktion unter Karl-Heinz Mellis aufkündigten, aber dann doch nicht offiziell austraten, sollen am heutigen Samstag von der BOB-Mehrheit sowohl aus der BOB-Fraktion als auch aus der BOB-Wählergemeinschaft ausgeschlossen werden. Karschti (Ex-Grüner, Ex-Pirat) und Walther selbst gerieren sich mittlerweile als verfolgte Opfer der Ereignisse – und greifen sogar zu historisch merkwürdigen Vergleichen: „Alles erinnert uns an die mittelalterlichen Hexenprozesse, aber auch an die stalinistischen Showprozesse des kommunistischen Ostblocks.“

Im Ausschluss-Antrag gegen Karschti, unterschrieben von den BOB-Ratsherren Karl-Heinz Mellis, Peter Bruckhoff und Werner Nowak sowie von BOB-Fraktionsgeschäftsführer Dennis Vollmer, werden Karschti massive Verstöße gegen die Regeln der interfraktionellen Zusammenarbeit vorgeworfen. Karschti habe gelogen, denunziert, gemobbt, gegen Beschlüsse der Fraktion verstoßen und sich finanzielle Vorteile zu Lasten der Fraktion verschafft.

Auszüge aus dem Ausschlussantrag

Hier ein paar Auszüge aus dem Ausschlussantrag:

„Sie haben eigenmächtig Zuwendungen der Fraktion als ,Bewirtungskosten’ auf Ihr Privatkonto überwiesen. Dabei handelt es sich um Bewirtungskosten, die bei einem geselligen Ausklang nach einer Fraktionsklausur am 4. Oktober 2014 im Gdanska entstanden sind. Auch auf den mehrfachen schriftlichen Hinweis, dass Fraktionszuwendungen nicht für den Zweck einer Bewirtung ausgegeben werden können, zeigten Sie sich uneinsichtig.“

„Sie haben entgegen der Beschlusslage der Fraktion Dauerkarten für den Fußballverein RWO nahe stehenden Bekannten und Mitgliedern des Arbeitskreises Sport angeboten. Beschlossen worden war aber, diese Karten nicht innerhalb der Fraktion, sondern an bedürftige Familien zu spenden.“

„Um einen Sitz im Verwaltungsrat der Stadtsparkasse Oberhausen zu erstreiten, haben Sie einen Anwalt mit der Ausstellung einer einstweiligen Anordnung und mit mehrstündigen WDR-Gesprächen beauftragt. Dabei entstanden erhebliche Kosten von 2500 Euro, die Sie gegenüber der Fraktion geltend machen wollten. Die Fraktion hatte Ihnen jedoch nur eine anwaltliche Beratung gewährt. Ihr eigenmächtiges Einleiten einer einstweiligen Verfügung kann über die Kosten hinaus einen schweren Imageschaden für die Fraktion BOB bedeuten, insofern der öffentliche Eindruck entsteht, dass Rechtsmittel dazu gebraucht werden, unberechtigte Ämter zu ergattern.“

Homepage eigenmächtig gesperrt

„Sie unternahmen durchgängig den Versuch, Fraktionsmitglieder und Mitglieder der Wählergemeinschaft in Telefonaten und Gesprächen für von Ihnen bevorzugte Beschlussfassungen zu beeinflussen. Ebenso versuchten Sie, Mitglieder zu Abstimmungen am Telefon und damit außerhalb von Fraktionssitzungen zu bewegen. Dabei nahmen diese Gespräche nach Schilderungen von mehreren Zeugen Züge der Bedrohungen an.“

„Diktatorisches Verhalten: Sie sind in der Fraktionssitzung am 6. Februar 2015 von verschiedenen Fraktionsmitgliedern dabei beobachtet worden, wie Sie Ihrer Nachbarin und Kollegin Sigrid Spanke unter den Arm griffen, um sie dazu zu bewegen, für Ihre Abstimmungsposition zu kämpfen.“

„Sie haben eigenmächtig den Zugang zur Internetseite www.buendnis-ob.de und damit den Auftritt der Fraktion und Wählergemeinschaft durch Änderung des Zugangspasswortes gesperrt.“

„Nach Ihrem Rücktritt vom stellv. Fraktionsvorsitz haben Sie die Rückgabe der Schlüssel zum Fraktionsbüro hinausgezögert.“