Karneval 2015 - Die Narren räumen in Oberhausen auf

Närrischer Zug zum Rathaus: Wohlgeordnet und gesittet marschieren die Karnevalisten zur Machtübernahme.Foto:Lars Fröhlich
Närrischer Zug zum Rathaus: Wohlgeordnet und gesittet marschieren die Karnevalisten zur Machtübernahme.Foto:Lars Fröhlich
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Was wir bereits wissen
Die Weiberfastnacht hat ihren Namen nicht verdient: Denn der trubeligste Tag für Tollitäten beginnt schon am frühen Morgen. Die Sonne lacht auf dem Altmarkt ohne Büttenrede, der Stadtprinz verhaftet viele Neulinge.

Oberhausen.. Die Weiberfastnacht hat ihren Namen nicht verdient: Denn der trubeligste Tag für Tollitäten beginnt schon am frühen Morgen. Was in der Stadt los war, lesen Sie im längsten Narrenticker der Welt.

10 Uhr: Sollen wir’se reinlassen? Im Hotel zum Rathaus öffnet die CDU die Bütt. Walter Paßgang hält das Ruder fest in der Hand. Die Karnevalskompetenz steckt im nautisch angehauchten Kostüm und meint: „Besser wird es heute nicht mehr!“ Seemannsgarn? Für die Prinzen ist es freilich nur ein erstes Einschunkeln. Trink doch eene mit? Später! Denn der Zeitplan drängt.

11 Uhr: Geh’n wir doch mal als Sonnenschirm! Die Sonne lacht ganz ohne Büttenrede auf dem Altmarkt. Es ist ordentlich gefüllt. An den benachbarten Marktständen recken Einkäufer mit Taschen, aus denen Porree herausguckt, ihre Köpfe gen Bühne. Die Alte Oberhausener Karnevalsgesellschaft (AOK) lässt die ersten Schunkelhits auf die närrischen Möhnen los. „Rot, rot, rot, sind ‘de Rooosen!“ Wie viele sind gekommen? 1000? Mehr? Die Jecken zählen nach. Ergebnis: offen. Es wird schon wieder geschunkelt. Man muss auch nicht alles bierernst nehmen. M’r losse de Dom inKölle. Und die Kirche im Dorf.

1 2 Uhr: „Das Ruhrrevier sind wir!“ Wenn das jemand weiß, dann sind es die „Drei Dötze“. Die Urgesteine des jecken Liedgutes heizen die Bühne an, trotz wohliger zehn Grad. Im Feldlager bei „Wonsyld“ kramen Prinzen in Erinnerungen. Michael I. erzählt: „Wir haben gerade noch einen Kindergarten besucht!“ Statt der üblichen Reden brachte der Regent aus dem Dreigestirn Kamelle mit. Krasses Kontrastprogramm zum Vorabend. Da überreichten die Babcöcker noch einen Orden an die älteste Jeckin: stolze 99 Jahre jung!

13 Uhr: Los geht’s! Die Zeichen stehen auf Sturm. Dabei ist am Himmel noch immer keine Wolke zu sehen. Ein Tross aus 800 Narren zieht es zum Polizeipräsidium. Präsidentin Kerstin Wittmeier reimt: „Die Chefin verhaften, ich werde es zum fünften Mal verkraften!“ Peter III. hat sich etwas überlegt, er fährt im Planwagen von Trutzburg zu Trutzburg.

13.30 Uhr: Im Amtsgericht ist die nächste Generation am Werk. Richter Michael Bonifacio wehrt sich gegen den Narrenstreich. Dem Direktor des Amtsgerichts, Joachim Busch, droht die Absetzung. „Ein Düsseldorfer mit Kölner Autokennzeichen!“, erzählt der Verteidiger. Ein Raunen geht durch die Vorhalle. Wichtigstes Thema des Neuen: „Parken auf dem Hof!“ Schuldig! Einkassiert.

13.45 Uhr: Auch im Finanzamt schauen die Jecken zwei Mal hin. Dienststellenleiterin Jutta Kieseler-Thanscheidt hilft auch der riesige Rotstift nichts, den das Personal schwingt. Ohne viel Worte übernimmt der Prinz das Kommando.

14 Uhr: OB Klaus Wehling singt sich auf den Stufen des Rathaus ein. Den Stadtschlüssel muss er trotzdem abgeben. „Wir werden das Rathaus nicht mehr durcheinander bringen als es eh schon ist“, scherzt der Prinz. Und verspricht: „Wir werden aufräumen.“ OB Wehling zeigte sich bei seiner letzten Schlüsselübgabe schlagfetrig: „Das haben schon andere behauptet!“ Friedlich geht es zum gemeinsamen Schunkeln ins Festzelt.

Karneval 2015 16 Uhr: Was gab es eigentlich zum Mittagessen? Möhneneintopf? In der Luise-Albertz-Halle wirkte manche Frau noch etwas müde vom Schunkelmarathon vor dem Rathaus. Dieser Eindruck hält: nur einen Schlag mit der Kunstwimper. Die KG Weiß-Grün Hoag, ehemalige Stahlkocher der Stadt, hat etwas Dampfendes angerührt. Mutige Männer, in Form des kostümierten Elferrates, zeigen auf der Bühne ihre musikalischen Fähigkeiten. Michael Jackson beim Weiberball — ein Thriller? Nein, entspannter Schwof.

17 Uhr: Ein Schenkelopfer jagt den nächsten. Vor allem, wenn kleine Pflaumenschnäpse auf die Tischkante auf und ab geschlagen werden. In einer Sitzreihe rätselt eine Damenriege im Petticoat über den Stargast der Sause. „Michael Morgan? Ja, sind wir denn von gestern?“

18 Uhr: Eine Polonaise hat sich aus Blankenese verabschiedet und zieht mit ganz großen Schritten durch den Saal der Stadthalle. Prinzessinnen, Clowns und Balletttänzerinnen fassen sich an die Schulter. Männer? Gibt es nicht! Eine Ausnahme ist der Stadtprinz, der aber auch in der zweite Reihen stehen muss. Die Mädels regieren lautstark. Die Möhnen jubilieren.