Kampf dem Darmkrebs
08.03.2009 | 16:41 Uhr 2009-03-08T16:41:00+0100Mensch und Technik, Auge in Auge: Skeptisch beäugt die Rentnerin den schwarzen Schlauch und will gerade etwas sagen, da reckt die Gummiröhre ihren Hals und schaut zurück – mit einer Miniaturvideokamera.
„Hier können sie sich jetzt sehen”, sagt Krankenpfleger Marc Wiehe und zeigt auf den portablen Bildschirm, auf dem die Rentnerin in ihr eigenes, gestochen scharf abgebildetes Gesicht blickt: „So funktioniert das also.”
Der schwarze Schlauch mit der Videokamera ist ein Endoskop und gehört zur Grundausstattung bei einer Darmspiegelung. Diese war am vergangenen Samstag Thema im Ärztehaus am Sterkrader Markt. So spannend die technische Ausrüstung auch sein mag: Die Untersuchung bleibt eine Materie, über die man nicht gerne spricht. Leider, findet Dr. Klaus Becker, Chefarzt am St. Clemens Hospital: „Bei anderen Krebsarten gibt es Früherkennung. Beim Darmkrebs aber kann man Vorsorge treffen” – durch regelmäßige Darmspiegelungen eben, bei denen Polypen, gutartige Schleimhautwucherungen, die zu Krebs ausarten könnten, entfernt werden können.
Chefarzt Becker stoppt einen in die Jahre gekommenen Erklärfilm, um Fragen der potentiellen Patienten zu beantworten.
„Wo kann ich mich untersuchen lassen”, will einer der rund 50 Anwesenden wissen. „Wenn sie Beschwerden haben, bei uns im Krankenhaus. Beschwerdefrei können sie zu ihrem Arzt gehen.” Dr. Becker rät immer zur Narkose, nicht jedoch wegen eventueller Schmerzen, die bei der Spiegelung auftreten könnten – „Das merkt man kaum, kann ich aus eigener Erfahrung sagen” – sondern „weil es nicht die angenehmste Sache ist, einem fremden Menschen den blanken Hintern entgegenzustrecken.” Die Runde lacht entspannt.
Immer wieder prangert der Mediziner mangelndes Gesundheitsbewusstsein an. Seit 2004 organisiert er deshalb im Darmkrebsmonat März Veranstaltungen zur Vorsorge – dieses Jahr in Kooperation mit der WAZ.
„Wir wollen den Menschen die Angst vor dieser lebensrettenden Untersuchung nehmen”, ist ein erklärtes Ziel Dr. Beckers.

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