Kaiserschnitte in Oberhausen liegen unter NRW-Quote

Werdende Mütter stehen häufig vor der Frage: natürliche Geburt oder per Kaiserschnitt?
Werdende Mütter stehen häufig vor der Frage: natürliche Geburt oder per Kaiserschnitt?
Foto: Lilia Beck WAZ
Was wir bereits wissen
Rund ein Drittel aller Kinder kommt durch eine Sectio zur Welt. Oberhausener Kliniken liegen unter dem Landesdurchschnitt. Die Tendenz ist nicht steigend.

Oberhausen.. Wenn sich werdende Mütter Gedanken darüber machen, wo und wie sie ihren Nachwuchs auf die Welt bringen wollen, dann steht inzwischen auch häufig die Frage im Raum: spontane Geburt oder per Kaiserschnitt? In NRW wurde 2013 jedes dritte Kind per Kaiserschnitt entbunden, die Quote beträgt 33,1 Prozent. „Die natürliche Geburt wird durch den Kaiserschnitt immer weiter verdrängt“, ließ NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) kürzlich verlauten. Diese Tendenz wird in Oberhausen nicht bestätigt.

„Bei uns haben wir festgestellt, dass die Quote der Kaiserschnitte in den vergangen Jahren relativ konstant geblieben ist“, sagt Chefarzt Prof. Dr. Stephan Böhmer vom Perinatalzentrum des Evangelischen Krankenhauses Oberhausen. Dort gab es im vergangenen Jahr 1350 Geburten, 31 Prozent der Kinder wurden nicht spontan entbunden, damit liegt das EKO deutlich unter dem NRW-Schnitt. „Wir haben außerdem ein Level 1 Zentrum, das heißt, wir betreuen hier besonders viele Risiko-Schwangerschaften“, so der Chefarzt, der erklärt, dass die Quote der Kaiserschnitte im EKO sogar unter 25 Prozent liege, „wenn man die Level 1-Schwangerschaften herausrechnet.“ Dazu zählen beispielsweise die 75 Zwillingsgeburten des vergangenen Jahres.

Ansprüche an eine Geburt sind gewachsen

In der Tat ist in Deutschland die Kaiserschnitt-Rate in den vergangenen 20 Jahren rapide gestiegen (1994: 17,3 Prozent). „Besonders vor sechs, sieben Jahren gab es allgemein einen Kaiserschnitt-Hype, aber seit zwei, drei Jahren befinden wir uns auf einem Plateau“, so Böhmer, der glaubt, dass das auch mit der vermehrten Diskussion über diese Art der Geburt zusammenhängt.

Auch im St. Clemens-Hospital der katholischen Kliniken Oberhausen wird nicht übermäßig per Kaiserschnitt entbunden. Genaue Zahlen wollte Chefarzt Dr. Carsten Böing zwar nicht nennen, aber bei den 1100 Geburten in 2014 „liegt unsere Kaiserschnitt-Quote unter 32 Prozent.“ Beide Chefärzte sind sich einig, dass die Ansprüche an eine Geburt deutlich gewachsen sind.

Auch bei Kaiserschnitten gibt es Gefahren

„Bei vielen besteht der Glaube, dass ein Kaiserschnitt das sicherere Verfahren ist“, so Böing, der betont, dass die spontane Geburt ebenfalls sehr sicher sei und auch bei Kaiserschnitten gewissen Risiken und Gefahren bestünden. Deshalb wird in beiden Krankenhäusern viel Wert auf Beratung gelegt. Stephan Böhmer: „Wir klären beispielsweise auf, dass nach einer Sectio, für eine potenzielle weitere Schwangerschaft ein höheres Risiko bestehen kann. Wir stehen in solchen Beratungen in der Fürsorgepflicht.“ Die Anzahl der „Wunschkaiserschnitte“ habe wohl auch deshalb in den vergangen Jahren deutlich abgenommen.

Für Böing ist der Begriff „Wunschkaiserschnitt“ ohnehin „schwierig“. „Mütter wollen immer das Beste für ihr Kind und heutzutage können Eltern immer mehr abwägen, Risiken können immer genauer bestimmt werden.“ Einige entschieden sich nach reiflicher Überlegung dann für den Kaiserschnitt. „Die Situation, die wir möglichst vermeiden wollen, ist ein spontaner Geburtsvorgang, bei dem plötzlich Komplikationen auftreten und wir dann einen Kaiserschnitt machen müssen“, so der St. Clemens-Chefarzt. 68,5 Prozent der Kaiserschnitte würden im KKO deshalb von vornherein beschlossen.