Jugenduntersuchung kaum genutzt

Die Vorsorge im Vorschulalter wird gut angenommen – was man von Jugenduntersuchungen nicht sagen kann.
Die Vorsorge im Vorschulalter wird gut angenommen – was man von Jugenduntersuchungen nicht sagen kann.
Foto: WAZ FotoPool
Das Interesse an den Vorsorgeuntersuchungen nimmt mit dem Alter der Kinder ab: Nur jedes sechste Schulkind und noch weniger Jugendliche nutzen sie.

Oberhausen.. Bei Babys und Kleinkindern achten die Eltern akribisch darauf, dass alle Vorsorgeuntersuchungen wahrgenommen werden. Mit zunehmendem Alter der Kinder flaut das Interesse aber merklich ab – was auch damit zu tun haben kann, dass bislang nur die Untersuchungen im Vorschulalter (U1-U9) und die Jugenduntersuchung J1 gesetzliche Kassenleistungen sind: „Es ist Besorgnis erregend, dass Vorsorgeuntersuchungen von nur so wenigen Kindern und Jugendlichen genutzt werden“, beklagt etwa Stefan Gärmer von der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH). „Nur jedes sechste Schulkind geht zur Vorsorge.“ Dabei sei gerade die Grundschul- und Jugendzeit eine sensible Phase: „Ursachen für Lernschwierigkeiten, mangelnde Konzentration und Verhaltensauffälligkeiten werden bei Vorsorgeuntersuchungen oftmals aufgedeckt“, wirbt er für die Teilnahme.

Vorsorge als Regelleistung

Auch wenn die Wahrnehmungsquote bei der örtlichen AOK deutlich höher ausfalle – gut die Hälfte aller Versicherten im entsprechenden Alter nähmen etwa die für 7-8-Jährige gedachte U10 wahr – kann Manfred Gregorius, Sprecher der AOK, den allgemeinen Trend bestätigen: „Vor allem bei den Jugendlichen lässt das Interesse deutlich nach.“ In Oberhausen begrüßt man deswegen den Vorstoß von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, das Untersuchungsprogramm für Kinder und Jugendliche auszuweiten, und weitere Untersuchungen zur Regelleistung der Kassen zu machen. Darüber hinaus ist der „Bereich Gesundheit“ auch schon selbst aktiv geworden: Seit fünf Jahren versucht man verstärkt, direkt in den Schulen für die Jugenduntersuchungen zu werben – mit deutlichem Erfolg.

„Bei den Kinderuntersuchungen, die zum Leistungskatalog aller Kassen gehören, beträgt die Teilnahme bis zu 90 Prozent“, erklärt Norbert Thura-Ebeling vom städtischen Bereich Gesundheitsplanung. „Die J1, also die Jugenduntersuchung für 12- bis 14-Jährige, ist zwar auch seit längerem im Leistungskatalog, trotzdem wurde sie im Schnitt nur von höchstens einem Viertel der Anspruchsberechtigten wahrgenommen.“ Vor fünf Jahren entschloss man sich dazu, ein Pilotprojekt an der Gesamtschule Osterfeld zu starten. Finanziert mit Mitteln der „Allianz Kindergesundheit“, der AOK und Barmer machte man sich daran, gezielt bei Siebtklässlern und Eltern für die J1 zu werben, bei der es um einen Check der körperlichen und seelischen Verfassung sowie den Impfstatus der Jugendlichen geht. „Es geht auch um Fragen der sexuellen Entwicklung und Aufklärung. Jugendliche tun sich da oft schwer, die Hemmschwelle ist hoch“, sagt Gesundheitsdezernentin Sabine Lauxen. „Man muss ihnen deshalb vernünftige Angebote machen, damit sie sich freiwillig für die Untersuchung entscheiden.“

Pilotprojekt an Gesamtschulen

Konkret wurden Elternabende organisiert und Jugendärzte kamen in die Schule, um direkt in den siebten Klassen die Werbetrommel zu rühren. Ergebnis: 53 Prozent der Siebtklässler nahmen an der Untersuchung teil. Auch wenn die Quote in den Folgejahren wieder etwas zurückging: Mit konstant knapp 40 Prozent liegt sie immer noch fast doppelt so hoch wie im Bundesschnitt. Inzwischen wurde das Projekt auf alle Oberhausener Gesamtschulen ausgeweitet: „Wir würden es gerne an allen Schulformen anbieten“, so Thura-Ebeling: „Aber dafür fehlt es uns an Geldmitteln. Insofern setze ich persönlich einige Hoffnungen in das geplante Bundespräventionsgesetz.“