Judo im Centro - Auf dem sanften Weg ins Oberhausener Einkaufszentrum

Flugstunden im Centro: Johanna Rosema (17) und Tobias Kirsch (19) demonstrierten bei den „Ruhr Games“ die Kniffe und Griffe des Judo-Sports.
Flugstunden im Centro: Johanna Rosema (17) und Tobias Kirsch (19) demonstrierten bei den „Ruhr Games“ die Kniffe und Griffe des Judo-Sports.
Foto: Jörg Schimmel
Was wir bereits wissen
Nachwuchs-Judoka bauten im Centro ihre Matten auf. Schuhgeschäfte. Schlappenträger. Schulterwürfe. Wie sehr hilft der Ort einer Randsportart?

Oberhausen.. Wer schon einmal während der Weihnachtszeit im Centro durch die Gänge geschlendert ist, der weiß: Bei dicht gedrängten Tütenprozessionen kann vom sanften Weg keine Rede sein. Das dürfte bei den „Ruhr Games“ keine Rolle gespielt haben, die japanische Kampfsportart für zwei Tage in das riesige Einkaufszentrum zu holen. Am Freitag und Samstag legten sich Sportler zwischen 14 und 17 Jahren gekonnt auf die Matte. Schulterwürfe neben Schuhgeschäften.

Diesmal ohne Einkaufstüten

Im Mitteldom schallen die „Red Hot Chili Peppers“ aus den Boxen. Vor einer Matte stehend blickt der ehemalige Spitzenjudoka Alexander von der Groeben auf den Zettel. Gerade fährt die Wittenerin Julia Friedrich die Rolltreppe hinunter. Mit Einkaufstüten? Fehlanzeige.

Sie steht im Finale des Sportwettbewerbs „Ruhr Games“. Sie lässt sich von der ungewohnten Umgebung, dem lauten Hall nicht ablenken. „Sie hat den Ruhr Games ein Gesicht gegeben“, spricht von der Groeben in sein Mikrofon. Tatsächlich war die 16-Jährige auf vielen Werbeplakaten zu sehen. Der Kampf endet schnell. Julia strahlt.

Bei Bruce Lee sehen sie rot

Rund um die Mattenfläche sammeln sich Neugierige. „Judo?“, „Ja, kenn’ ich“, erzählt ein Matten-Kiebitz mit frisch gekauften Sneaker-Schuhen unterm Arm und fuchtelt in bester Bruce-Lee-Manier mit den Armen umher. Eine pantomimische Definition, bei der Judoka rot sehen.

Ruhr Games „Ja, so etwas hören wir häufiger“, sagt Sascha Herkenrath, Trainer beim 1. JC Mönchengladbach. „Aber das hat mit Judo nichts zu tun. Bei uns gibt es keine Schläge, sondern Techniken, wie Würfe oder Hebel.“ Nicht nur die Wettbewerbe sollen helfen, Judo zu verstehen, sondern auch Workshops. Die Ausrichtungsstätte macht für ihn Sinn: „Einige sind schon stehengeblieben und haben Judo selbst ausprobiert!“

Kontakt mit der ersten Liga

Mit dabei sind auch die Gladbacherin Johanna Rosema (17) und der Duisburger Tobias Kirsch (19). Die beiden jungen Topjudoka wissen um die Hindernisse der Randsportart. Zuschauerzahlen wie beim Fußball gibt es hier nicht. Die Suche nach Sponsoren ist steiniger. Ein Einkaufszentrum als Kampffläche finden beide gut. „Die Neugierde ist bei den Leuten auf jeden Fall vorhanden“, sagt Johanna Rosema, die in der Judo-Bundesliga auf die Matte tritt. Gerade hat sie den Geschwistern Amina (5) und Enisa (6) einen Wurf gezeigt. Die Eltern filmen die ersten Griffe der Mattenzwerge mit der Handykamera. Kontakt mit Erstligasportlern ohne Hinterausgang und Absperrgittern. Papa und Mama werden es Freunden und Bekannten zeigen. Ein Werbeeffekt, den sich die Sportler wünschen.

Lokalmatador dabei

Nicht nur im Mitteldom steigen die „Ruhr Games“. Judo gibt es auch auf dem Platz der Guten Hoffnung und dem Luise-Albertz-Platz, wo zugleich die Wettbewerbe des Klettersports „Parkour“ laufen. Hier stehen Zelte, die vor Regen schützen sollen. Doch für Zuschauer ist drinnen nur wenig Platz. Abgeschirmt! Neugierige schauen durch die Zeltplane.

Mittendrin ist Nils Gnaudschun: Der 17-Jährige geht für das Judo Team Holten auf die Matte. „Wir kämpfen sonst in Sporthallen, die Atmosphäre ist hier bei den Ruhr Games komplett anders. Es gibt mehr Zuschauer. Das motiviert.“