Jetzt misten viele Oberhausener Familien ihren Keller aus

Von allen Seiten sprechen Autofahrer und andere Kunden die Mitarbeiter auf dem Wertstoffhof an. Obwohl zwei Mitarbeiter die Kunden zügig abfertigen, bildet sich vor der Müllverbrennungsanlage samstags meist ein langer Stau.
Von allen Seiten sprechen Autofahrer und andere Kunden die Mitarbeiter auf dem Wertstoffhof an. Obwohl zwei Mitarbeiter die Kunden zügig abfertigen, bildet sich vor der Müllverbrennungsanlage samstags meist ein langer Stau.
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Samstags müssen sich die Bürger meist auf einen langen Stau am Wertstoffhof einstellen. Dabei arbeiten die WBO-Leute blitzschnell.

Oberhausen.. Vor dem städtischen Wertstoffhof an der Buschhausener Straße bildet sich am Samstagvormittag eine lange Autoschlange. Bis vor der Müllverbrennungsanlage stehen die mit Unrat und Müllsäcken beladenen Autos auf der U-förmigen Zufahrt im Stau, ehe sie nach zehn oder mehr Minuten Wartezeit die Rampe zum Podest des Wertstoffhofs endlich befahren können. Der Samstag scheint in vielen Familien Aufräumtag zu sein, jedenfalls zum Frühlingsauftakt. Wofür daheim aber kein Platz mehr ist, das kommt, wenn es sich nicht noch verkaufen lässt, auf den Wertstoffhof.

Eingespieltes Team

Dabei fertigen Hazinedar Cengiz (41) und sein Kollege Dietmar Adlers (58) ihre Kunden an der Zufahrt schon blitzschnell ab. Es grenzt an ein Wunder, dass sie nicht durcheinanderkommen. Cengiz fragt den Autofahrer kurz, was er geladen hat, nimmt Bargeld entgegen.

Die Gebühr dafür samt zugehöriger Codenummer hat er im Kopf. Dabei handelt es sich um eine Tabelle mit 50 verschiedenen Positionen. Die Art des Mülls oder die Codenummer nennt er dem Kollegen auf dem Podest, reicht ihm das Geld.

Und Dietmar Adlers tippt die Co­denummer in ein kleines Gerät ein, überträgt es mittels Karte auf den Kassenautomaten. Er lässt eine Quittung mitsamt Rückgeld auswerfen und hält sie für den Kollegen bereit, der sie den Kunden beim Verlassen des Wertstoffhofs durchs Fenster reicht. Zügiger geht’s kaum.

Sperrmüll ist umsonst

Sperrmüll ist für Oberhausener umsonst. Auswärtige müssen dafür bezahlen. Ein voller Kofferraum kostet 22,50 Euro, ein Kleinanhänger 140 Euro. Ähnlich sind die Preise bei Gartenabfällen, für die auch Einheimische zahlen müssen. Auch große Elektrogeräte sind kostenlos, außer sie sind ausgeschlachtet. Dann zahlt man zehn Euro.

Vier weitere Mitarbeiter haben bei dem Riesenandrang, der für den Samstag typisch ist, alle Hände voll zu tun. Nicht jeder Kunde ist ja im Bilde, wo der richtige Behälter steht. Abrollbehälter für Gartenabfälle gibt es gleich drei. Sie sind in Buchten abgestellt, so dass man seine Müllsäcke von oben auskippen kann. Ähnlich funktioniert dies bei den vier Sperrmüllcontainern oder dem Container für Altreifen.

Ein baggerähnliches Ar­beitsgerät fährt heran. Der Fahrer winkt die Kunden freundlich zur Seite. Denn es wird staubig, als er mit voller Wucht den hydraulischen Greifer, der wie die Riesenhand ei­ner Krake aussieht, in einen der Sperrmüllbehälter krachen lässt, um den Inhalt zusammenzudrücken.

Derweil herrscht auf dem Podest Hochbetrieb. Ein junger Mann rangiert seinen Pritschenwagen an ei­nen Sperrmüllbehälter heran. Von der Ladefläche aus wuchtet er ein großes Aquarium über die Reling. Unten kreuzen sich ein Herr mit einem ausrangierten Aktenschränkchen und eine Frau, die eine Kunststoffkiste loswerden will.

Auch ein Marantz-Verstärker aus den 70ern, einst wohl der ganze Stolz eines Hifi-Fans, findet ein trauriges Ende. „Stand noch von meinem Vormieter im Keller“, sagt ein Mann und stellt ihn ab.