Iwan drückt allen den Stempel auf

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Ob Urkunden oder Werbeplanen auf Lastwagen, ob Lichtreklamen, Arztschilder oder Hinweistafeln – ein Oberhausener Unternehmen drückt all dem einen Stempel auf: die „Iwan – Stempel- und Schilderfabrik“ an der Duisburger Straße. In diesem Jahr feiert der Familienbetrieb sein 50-jähriges Bestehen.

Wer durch den Ausstellung geht, kann sich von der Bandbreite der Iwan-Produkte ein Bild machen: Neben Stempeln gibt es Schilder verschiedener Größen und mit unterschiedlichen Schriftarten, Lichtwerbung, verschiedene Farbmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Materialien.

Alles begann in Mülheim

Mit 21 Jahren, nach der Ausbildung zum Schriftsetzer, hat Firmengründer Manfred Iwan sich selbstständig gemacht. „Ich habe einen kleinen Raum in Mülheim angemietet und für ein alteingesessenes Stempelfachgeschäft dann Stempel produziert.“

Doch schnell wurde der Raum zu klein, Iwan wollte auch direkt für Endverbraucher produzieren und die Industrie beliefern, es folgte der Umzug nach Oberhausen. Hier ging es stetig mit dem Betrieb bergauf, heute beschäftigt er ein Dutzend Mitarbeiter.

Als besonders umsatzstark erwies sich das Jahr 1993: „Die fünfstelligen Postleitzahlen wurden eingeführt. Obwohl Zeitungen, Radio und Fernsehen rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht hatten, kamen viele Kunden auf den letzten Drücker. Bis zu 3000 Stempel haben wir am Tag hergestellt und deutschlandweit verschickt“, erinnert sich Sohn Rainer, der damals in das kaufmännische Team einstieg und demnächst den Betrieb übernehmen wird.

Auch wenn elektronische Briefe und E-Mails in den letzten Jahren immer mehr zunehmen, so schätzt Rainer Iwan, dass deutschlandweit jährlich noch über viereinhalb Millionen Stempel hergestellt werden.“ Mit Brennstempeln werden Hölzer oder Leder gekennzeichnet, Fleischbeschauer benötigen einen Stempel, mit Handschlagstempeln werden Metalle oder Kunststoffe markiert, mit Wiegestempel kennzeichnen Gerüstbaufirmen Bretter, Discothekenbesucher bekommen beim Eintritt einen Leuchtstempel aufgedrückt.

An einen besonderen Auftrag können sich Vater und Sohn noch gut erinnern. Er kam von einem Bistum. „Die brachten uns ein über 150 Jahre altes Holzsiegel mit, das als Stempel genutzt werden sollte. Das Siegel haben wir von Hand komplett nachgezeichnet und dann umgesetzt.“

Gelegentlich werden die beiden als Experten auch von Landeskriminalämtern befragt. Dabei gehe es meist um Fälschungen, etwa von amtlichen Prüfstempeln. Iwan selbst stellt übrigens auch Stempel für Behörden her. Und wie wappnet sie sich vor Betrügern? „Kein Siegel ohne Siegel. Wer einen offiziellen Stempel bei uns bestellt, muss erstens eine Legitimation vorlegen und zweitens den Personalausweis“, sagt Rainer Iwan.

Doch Stempel sind nur noch ein Produktzweig des Hauses. Ob Schilder aus Acrylglas oder Kunststoff, Firmenfahrzeuge, Tankstellenbeschriftung, Reklame an Hausfassaden oder LED-Lichtwerbung – die Palette ist riesig. Und in diesem Jahr will der Betrieb noch in Lasertechnologie investieren. Laser sind in der Lage, einen Text in die Gummiplatte eines Stempels zu lasern, aber auch alle anderen Materialien können damit bearbeitet werden. „Alles unterliegt einem ständigen Wandel. Man muss sich stets anpassen und bewegen“, sagt Firmengründer Manfred Iwan.