Irritierende Antwort auf Protestbrief in Oberhausen

Foto: Ulla Emig/ FUNKE Foto Services
Leserin schreibt an die KV wegen möglicher Schließung der Kindernotambulanz in Oberhausen. Vertreter der KV-Vertreter spricht von Mobbing-Aktion.

Oberhausen.. Als Bettina N. (Name geändert) in unserer Zeitung las, dass auch die Oberhausener Kindernotfall-Ambulanz vor dem Aus stehen könnte, schrieb sie einen Beschwerdebrief an die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein – und wurde daraufhin von einem KV-Vertreter prompt des „Mobbings“ bezichtigt.

Zum Hintergrund: Die KV organisiert derzeit ihre Notfallpraxen neu. Für Duisburg, Mülheim und Oberhausen soll es künftig nur noch eine Ambulanz geben. Zurzeit existiert in jeder Stadt ein eigener Dienst.

Da offen blieb, welche Notfallpraxis erhalten werden soll, hatten sich besorgte Vertreter der Oberhausener Kinderärzte – die die Ambulanz bislang in Eigenregie betreiben – und Kinderärzte des Evangelischen Krankenhauses (die Ambulanz nutzt EKO-Räume) sowie der Oberhausener KV-Vertreter an die Öffentlichkeit gewandt. Einhellig setzten sie sich für den Erhalt der Oberhausener Kindernotfallpraxis ein.

Ein Anliegen, das Familie N. mit ihrem Brief unterstützen wollte. Und so schrieben die Oberhausener an die KV Nordrhein unter anderem: „Wir wollen, dass unsere Kinder von erfahrenen Kinderärzten behandelt werden. Deshalb fordern wir Sie auf, den Kinderärztlichen Notdienst im Evangelischen Krankenhaus in seiner jetzigen Form zu erhalten!“

Interne Machtspiele?

Entsetzt zeigte sich die 43-jährige Mutter von zwei Kindern von dem Antwortschreiben, das sie erhielt. Darin betont der stellvertretende Vorsitzende des Notdienstausschusses der Vertreterversammlung der KV Nordrhein: Die Neugestaltung des Notdienstes habe eine Schließung der Oberhausener Ambulanz nie vorgesehen. Familie N. sei vielmehr einer Fehlinformation aufgesessen, habe diese Information nicht geprüft und „dennoch zum Anlass genommen, eine Mobbing-Aktion zu unterstützen“.

Bettina N. weiter: „Offensichtlich hat er dieses Antwortschreiben auch an alle anderen Bürger geschickt, die gegen eine Schließung des EKO-Kindernotdienstes protestieren.“

Für die WAZ Anlass, bei der Hauptstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein in Düsseldorf nachzuhaken. Wir wollten wissen: Bleibt die Kindernotfall-Ambulanz am Evangelischen Krankenhaus Oberhausen nun erhalten oder nicht? In welcher der beiden Nachbarstädte wird möglicherweise zusätzlich eine Dependance errichtet? Und stecken hinter dem Mobbing-Vorwurf des KV-Mitgliedes vielleicht interne Machtspiele?

Eine Kindernotfall-Praxis für drei Städte

Für die KV ließ Christopher Schneider der WAZ folgende schriftliche Antwort zukommen, die die Frage nach dem Mobbing-Vorwurf allerdings ignoriert: „In der Vertreterversammlung der KV Nordrhein am 11. Februar 2015 wurde beschlossen, dass die Städte Duisburg, Oberhausen und Mülheim zukünftig einen gemeinsamen kinderärztlichen Notfalldienstbezirk bilden sollen. In diesem neu aufgestellten Bezirk soll es in jedem Fall eine kinderärztliche Notfalldienstpraxis geben. Weiterhin wurde beschlossen, dass zur Verbesserung der flächendeckenden Versorgung innerhalb der Notdienstbezirke zusätzliche kinderärztliche Notdienst-Dependancen eingerichtet werden können. Über die einzelnen Dependance-Standorte des kinderärztlichen Notdienstes in Ihrem Bereich werden im Laufe der kommenden Wochen die Obleute der Kinderärzte und die regionalen Kreisstellen der KV Nordrhein beraten.“

Bettina N. meint dazu: „Eine mehr als dürftige Reaktion. Das war doch in diesem Umfang schon bekannt und lässt keinerlei Schlüsse zu, dass der Kinderärztliche Notdienst am EKO nicht in Gefahr wäre.“ Sie habe eher den Eindruck, als „sollte etwas verheimlicht werden, so dass niemand etwas dagegen tun kann“. Offensichtlich werde versucht, einem öffentlichen Protest auszuweichen. „Vielleicht, weil man diesem nicht standhalten könnte?!“

EURE FAVORITEN IN DIESER STUNDE