Intensive Debatte zur Linie 105 in Oberhausen

Das Podium des Stadtgesprächs: (vorne v.li.) Hans Otto Runkler (FDP), Regina Wittmann (Grüne), Yusuf Karacelik (Linke) sowie (hinten v.li.) Peter Klunk (Stoag), Wolfgang Große Brömer (SPD), Lothar Ebbers (Pro Bahn Ruhr), Peter Szymaniak (WAZ), Denis Osmann (CDU).
Das Podium des Stadtgesprächs: (vorne v.li.) Hans Otto Runkler (FDP), Regina Wittmann (Grüne), Yusuf Karacelik (Linke) sowie (hinten v.li.) Peter Klunk (Stoag), Wolfgang Große Brömer (SPD), Lothar Ebbers (Pro Bahn Ruhr), Peter Szymaniak (WAZ), Denis Osmann (CDU).
Foto: WAZ FotoPool
Beim Stadtgespräch von WAZ, VHS sowie Arbeit und Leben in der Stadthalle in Oberhausen wurde der Ausbau der Straßenbahnlinie 105 heiß diskutiert.

Oberhausen.. Sieben Wochen vor dem Bürgerentscheid zum Lückenschluss der Straßenbahn 105 zwischen Frintrop und dem Centro diskutierten rund 245 Bürger am gestrigen Montagabend erstmals öffentlich mit Politikern und Fachleuten intensiv über Sinn und Unsinn der 81 Millionen Euro teuren Strecke.

Beim von der WAZ, von der Volkshochschule sowie Arbeit und Leben veranstalteten Stadtgespräch in der Luise-Albertz-Halle warben die Fraktionsvorsitzenden der regierenden Ampelkoalition von SPD, FDP und Grünen für die mit 66 Millionen Euro von Bund und Land geförderte Bahnstrecke – als Zukunftsinvestition zum Wohle der Stadt und vieler Pendler. Die Oppositionsparteien CDU, Bürgerbündnis BOB und die Linken hielten die Strecke für überteuert und werteten das Kostenrisiko der Stoag von derzeit 13 Millionen Euro für den Lückenschluss an der Stadtgrenze als zu hoch.

Eine Abfrage durch WAZ-Redaktionsleiter und Moderator Peter Szymaniak zu Beginn der Diskussion machte deutlich: Das Meinungsbild im Publikum war sehr uneinheitlich. Per Handzeichen votierten etwa 40 Prozent für den Ausbau der Strecke, etwa 40 Prozent dagegen und 20 Prozent zeigten sich unentschieden.

Wichtige Einrichtungen erreichbar

Die Standpunkte auf dem Podium waren dagegen eindeutig. Lothar Ebbers vom Fahrgastverband Pro Bahn Ruhr lobte die Vorteile, die sich durch die neue Bahn für ÖPNV-Nutzer ergeben würden. „Viele wichtige Einrichtungen sind durch die 105 direkt erreichbar“, sagte Ebbers.

Yusuf Karacelik, Die Linke, bemängelte dagegen ein fehlendes Gesamtkonzept für den öffentlichen Verkehr in Oberhausen und kritisierte den Ausbau der Linie 105 als „Kirchturmprojekt“.

Denis Osmann (CDU), der für den erkrankten Daniel Schranz auf dem Podium einsprang, argumentierte: Schöne Sache, „aber angesichts der Verschuldung kann sich eine Stadt wie Oberhausen das derzeit nicht leisten.“ Von einer „Luxuslinie“ und einem „krassen Missverhältnis zwischen Kosten und Nutzen“ sprach gar Karl-Heinz Mellis vom Bündnis Oberhausener Bürger (BOB).

Als zukunftswichtiges „Strukturprojekt für Oberhausen“ bezeichnete Wolfgang Große Brömer (SPD) den Weiterbau der 105. Regina Wittmann (Grüne) warb dafür, die Chance nicht zu vertun: „Wir bekommen jetzt diese große Maßnahme finanziert, alleine könnte Oberhausen dies nie stemmen.“ Auch Hans-Otto Runkler (FDP) hob den Nutzen dieser „Daseinsvorsorge“ hervor, der die Kosten doppelt übersteige.

Angesichts des kontroversen Themas war die Stimmung in der Luise-Albertz-Halle teilweise sehr aufgeladen, mit Buh-Rufen und Applaus wurden die Redebeiträge der Politiker und Experten quittiert. Zahlreiche Fragen ergaben sich, so zweifelten viele Bürger den prognostizierten Fahrgastzuwachs von 8400 Fahrgästen pro Tag an. Peter Klunk, Stoag-Geschäftsführer, erläuterte, wie solche Zahlen im Computermodell belastbar errechnet werden.