Infrastruktur für die Großstadt wächst in wenigen Jahren

War die Industrie allein Motor der Stadt? Keineswegs! Die Wissenschaften der Stadtplanung und der Städtetechnik kannten schon 1870 das „Gesetz vom doppelten Stellenwert“. Es besagt: Für jeden in der Grundstoff-Industrie geschaffenen Arbeitsplatz wird ein weiterer in den übrigen Sektoren geschaffen. In Handel und Handwerk, aber auch in den vielen kleinen Zulieferbetrieben von Drahtseilereien bis Werkzeugmaschinen-Herstellern. Zudem explodierten die Beschäftigtenzahlen im öffentlichen Dienst: Die neue Stadt benötigte Verwaltungsbeamte, Polizisten, Lehrer.

Und wie wurde die Stadt Oberhausen mit dem scheinbar unstillbaren Bedarf an Arbeitskräften für die Industrie fertig? Die Arbeiten von Rat und Verwaltung erscheinen aus der Rückschau wie die Leistungsbilanz von Spitzenmanagern. Knappe Schlagworte müssen hier genügen: 1862 Gründung der Bürgermeisterei, 1865 Gründung der Sparkasse und Aufstellung des Straßenplans, 1873 Kommunalisierung des höheren Schulwesens und Bau des Rathauses, 1874 Stadtrecht, fortlaufend Bau neuer Volksschulen und Beschäftigung von bis zu 400 Lehrern als größter kommunaler Ausgabe im Kaiserreich, 1885 neuer Bahnhof, 1893 Badeanstalt, 1896 erste kommunale Straßenbahn Deutschlands, 1896 Kauf des Kaisergartens, 1897 Kommunalisierung des Gaswerkes Grillo, 1900 Elektrizitätswerk, ebenfalls seit 1900 fortlaufend Bau von Kanalisation, Straßendecken, Gas-, Strom- und Wasserleitungen, 1899 Realgymnasium, 1915 dann staatliches Realgymnasium und Oberrealschule, 1901 Anstellung des königlichen Musikdirektors Karl Steinhauer aus Düsseldorf, 1920 Gründung des städtischen Theaters, 1909, 1910 und 1915 Eingemeindungen.

Plötzlich spüren wir wieder die Dynamik, die Ähnlichkeit der Verhältnisse in Oberhausen um das Jahr 1900 und an den Stadträndern von Shanghai und Sao Paolo 2015.