In weiter Ferne so nah
17.07.2008 | 17:45 Uhr 2008-07-17T17:45:00+0200
Sonnenschein beim Ortstermin, was könnt' schöner sein? Die CDU-Sommergespräche widmeten sich einer Baustelle, die auch im übertragenen Sinne ein zu bearbeitendes Feld darstellt: die Ripshorster Brücke, das fehlende Bindeglied zwischen Oberhausen und Essen. Ihretwegen müssen die Dellwiger seit dem 30. April 2004 kilometerlange Umwege in Kauf nehmen. Der Unmut hält sich bei den Anwohnern dennoch in Grenzen. Denn: „Die Bürger sehen doch, dass hier etwas passiert”, erklärt Bernhard Klockhaus, der zuständige Fachbereichsleiter für sogenannte „städtische Sondermaßnahmen”. Was das Besondere ist an diesem Bauwerk? Es soll sich harmonisch in die Landschaft einpassen: ein Landschaftsbauwerk halt. CDU-Chef Wilhelm Hausmann hat nicht zuletzt deshalb diesen „Arbeitskreistermin” anberaumt, handele es sich doch um eine „kommunalpolitisch interessante Begebenheit”. Wir reden hier immerhin über stolze Gesamtbaukosten von insgesamt 4,2 Mio Euro. Drum muss die unbequeme Nachfrage gestattet sein: Was ist denn jetzt mit den Stahlteilen? Die Tonnagen wurden im Bauvertrag nämlich vergessen, ein womöglich happiger Mehraufwand ist garantiert. Klockhaus verweist auf das „schwebende Verfahren”. Man habe sich aber einen Rechtsbeistand genommen, um Möglichkeiten des Schadenersatzes durch das beauftragte Ingenieurbüro zu prüfen. Wichtig: Der Zeitplan bleibe bestehen, „es wird dadurch keine Verzögerung geben”. Das heißt: Noch dieses Jahr, im Dezember 2008 also, erfolgt die Verkehrsfreigabe. Diese Wiedervereinigung mit den Nachbarn – in weiter Ferne so nah – ist „ein hochgestecktes Ziel”, so Klockhaus, „aber wir sind optimistisch”. Um die Bedeutung für die Zukunft zu verstehen, schadet ein Blick in die Vergangenheit nicht: 1914 kam es zur öffentlichen Eingemeindung von Frintrop und Borbeck – je zur Hälfte nach Oberhausen und Essen. Die Brücke als verbindendes Element hatte Bestand (bis eben 2004). Mitte der Neunziger zog die Stadt Essen ihren Förderantrag zurück – so erpicht war man da nicht. So wenig sogar, dass man 2006 einen Ratsbeschluss zum Gebietsabtritt abnickte, womit Oberhausen ein Stückchen größer wurde. Und gleichzeitig verantwortlich, die Sache mit der Überführung geregelt zu bekommen. Seit Dezember 2007 wird endlich gebaut, die nächsten Schritte (in diesem Moment stört eine Kreissäge wie als Zeichen zum Aufbruch die weiteren Ausführungen): Im August werden die Stahlbögen, die „an Land” vorgefertigt sind, rostgeschützt und montiert, ebenso die Fahrbahn. Rudimente eines Stützpfeilers müssen noch felsgemeißelt werden, der Klotz steht bislang hässlich im Weg. Hübsch hingegen wird die Konstruktion mit ihren bunten Bögen. Diese doppelten Sinuskurven „symbolisieren Mobilität und Strukturwandel”, so Klockhaus. Auch die Brückenbeleuchtung entspräche der Gestaltung, „da können wir keine 08/15-Lampen hinstellen”. Schließlich gibt es dafür Fördermittel von ÖPEL: dem Ökologieprogramm Emscher Lippe. Damit es an der „Ripse” auch morgen noch heißt: alles so schön grün hier.
Getunnelt
Der Brückenbau beschleunigt auch andere, artverwandte Projekte: Seit 1995 geplant und eigentlich erst 2011 vorgesehen, wird nun parallel an einer Unterführung gearbeitet, die freie Radfahrt und Wanderung von Knappenviertel bis wohinmanwill gewährleistet. Die Emschergenossenschaft, die den unterirdisch verrohrten Läppkes Mühlenbach zum offenen Lauf renaturiert, baut eine Strecke unter der Walzwerkstraße hindurch – da passen Rad- und Wanderweg gleich mit hinein, der vom RVR geplant und mit einem Drittel der Kosten bezuschusst wird. Diese vorgezogene Maßnahme lässt es dann tatsächlich zu, auf der alten Trasse direkte bis zum Gehölzgarten Ripshorst oder zum Kanal zu wandern bzw. Rad zu fahren, ohne auch nur eine Straße zu kreuzen – ein nicht unerheblicher Freizeitmehrwert, dies. Auch eine gute Nachricht für Hundefreunde, die ihren Auslauf über den Ruderalpark Frintrop ausdehnen können. Dass jetzt schon viele Bürger gucken kommen, lässt auf eine herzliche Freudenfeier schließen, ist erst mal alles fertig.

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