In Oberhausen wurden die besten Jung-Schweißer gesucht

Sieht nicht nur bizarr aus, sondern ist auch schwierig: Kai Greven schweißt zwei Bleche in senkrechter Position aneinander. Dabei muss er der Schwerkraft entgegen von unten nach oben schweißen.
Sieht nicht nur bizarr aus, sondern ist auch schwierig: Kai Greven schweißt zwei Bleche in senkrechter Position aneinander. Dabei muss er der Schwerkraft entgegen von unten nach oben schweißen.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
In Oberhausen traten 16 Kandidaten beim Bundeswettbewerb "Jugend schweißt" gegeneinander an. Die besten Vier fahren nun zum Bundeswettbewerb.

Oberhausen.. Absolute Konzentration ist nötig, wenn das Gas aus dem Schweißgerät ausströmt und die ultra-grelle Gasflamme erzeugt. Ruhig sitzt der Schweißer unter seiner Schutzhaube da. Er führt die Flamme zu den beiden Metallteilen, fügt vorsichtig den dünnen Draht hinzu. Langsam beginnt er damit, ihn über dem Spalt zwischen den beiden Teilen mit der Flamme zu schmelzen und stellt dabei eine feste Verbindung zwischen ihnen her. Die 16 besten Schweißer aus dem Gebiet zwischen Bonn und Kleve waren am Samstag nach Oberhausen gekommen. Bei der Gesellschaft für Schweißtechnik International (GSI) machten sie in vier Schweißarten den jeweiligen Teilnehmer am Bundeswettbewerb „Jugend schweißt“ unter sich aus.

Den Wettbewerb schreibt der Deutsche Verband für Schweißen (DVS) jährlich aus. Kai Greven (22) aus Grevenbroich war einer der 16 Teilnehmer. „Ich bin bei einem Heizungsbauer tätig, schweiße regelmäßig Rohre zusammen“, erklärte er. Zuletzt hatte er auf Bezirksebene den Wettkampf im Gasschweißen gewonnen. Jetzt trat er gegen die drei besten Gasschweißer aus dem Rheinland an.

Bleche mussten senkrecht verschweißt werden

Alle vier Kandidaten hatten die Aufgabe, zwei 20 mal 20 Zentimeter große Bleche miteinander zu verschweißen. Allerdings nicht liegend, sondern senkrecht. Dazu waren die Bleche bis auf einen schmalen Spalt zusammengeheftet und aufgestellt. Kai Greven musste also von unten nach oben schweißen, der Schwerkraft des schmelzenden Drahtes entgegen.

Das Metall des geschmolzenen Drahtes stellt nachher zusammen mit den unter extremer Hitze aufgeweichten Rändern der beiden Metallteile eine stoffliche Verbindung her. „Wenn sie gut geschweißt ist, dann bricht sie eher in der erhitzten Randzone der beiden Teile als an der Nahtstelle“, sagte Diplom-Ingenieur Arno Momper vom DVS. „Nichts ist nämlich haltbarer als Schweißgut.“ Das erweise sich anschließend beim Bruchtest. Nur eine schlechte Schweißnaht breche eher.

Gastgeber des Wettbewerbs war die DSV-Tochter GSI. Sie betreibt ihr Bildungszentrum Im Lipperfeld in Oberhausen. Denn den Schweißer gibt es bis heute nicht als Ausbildungsberuf. „Schweißen ist kein Beruf, sondern eine Tätigkeit“, sagte Arno Momper. Man lernt es entweder bei der Ausbildung zur Fachkraft für Metall, zum Anlagenmechaniker oder zum Konstruktionsmechaniker. Oder man bildet sich, zum Beispiel bei der GSI, dazu fort. Die Befähigung dazu muss aber regelmäßig neu nachgewiesen werden. Denn auf das Können der Schweißer muss absolut Verlass sein. Bei Brücken, Druckkesseln oder Lokomotiven hängen Menschenleben davon ab.