Immer mehr Rentner arbeiten noch

Auch im höheren Alter arbeiten immer mehr Oberhausener.
Auch im höheren Alter arbeiten immer mehr Oberhausener.
Foto: Hendrik Schulz
Was wir bereits wissen
Laut Unternehmerverband halten Firmen ältere Fachkräfte länger im Betrieb. Für Verdi sind noch zu viele Arbeitnehmer vor der Rente „krank und kaputt“.

Oberhausen..  Für immer mehr 65-Jährige und Ältere ist das Arbeitsleben längst nicht mit dem Erreichen des Rentenalters erledigt. Wie das Deutsche Institut der Wirtschaft nun vorstellte, waren im Jahr 2013 bereits 8,7 Prozent der 65- bis 74-Jährigen berufstätig – 2005 hatte der Anteil nur bei fünf Prozent gelegen.

Diese Entwicklung ist in Oberhausen ebenfalls bemerkbar. Gingen im Jahr 1995 nur 164 Bürger über 65 Jahren einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, waren es 2013 schon 439. Der Anteil an allen Beschäftigten stieg in diesem Zeitraum von 0,3 auf 0,7 Prozent an. Für Matthias Heidmeier, Geschäftsführer Kommunikation des Unternehmerverbandes, ist dies ein Indiz dafür, dass Firmen mehr Wert auf ihre älteren Beschäftigten legen. „Es geht um den Erhalt von Wissen.“

Die Anreize, ältere Mitarbeiter im Betrieb zu halten, seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. „Wir haben einen Fachkräftemangel. Dieser geht nicht flächendeckend durch alle Branchen und Regionen, er ist aber da, etwa bei Facharbeitern oder Ingenieuren“, so Heidmeier.

Flexible Arbeitszeitmodelle

So würden viele Unternehmen darauf hinarbeiten, bessere Arbeitsbedingungen für ältere Beschäftigte zu schaffen. „Es gibt da die verschiedensten Modelle.“ Ein Oberbegriff ist dabei „Flexible Arbeitszeit“. „Das kann unterschiedlich ausgestaltet werden. Vielleicht über eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 50 oder 60 Prozent“, erläutert der Unternehmerverbands-Sprecher. „Für Ältere kann es aber auch Regelungen beim Beginn und Ende des Arbeitstages geben.“ In Unternehmen, die mit einem Schichtsystem arbeiten, werde etwa möglichst vermieden, Mitarbeiter Mitte 60 in die Nachtschicht einzuteilen.

„Das Fachwissen dieser Beschäftigten ist unser Kapital“, führt Heidmeier aus. „Es ist zwingend notwendig, dass es im Betrieb erhalten bleibt, indem es an jüngere Kollegen weiteregegeben wird.“

Henrike Greven, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Verdi im Bezirk Mülheim/Oberhausen, sieht vor allem die Entwicklung, dass Höherqualifizierte länger arbeiten, als sie eigentlich müssten. „Ich erkenne aber noch nicht, dass es ein Umdenken gibt in der Wirtschaft und vor allem ältere Fachkräfte länger beschäftigt werden.“ Vielmehr seien viele der älteren Beschäftigten „Führungskräfte und Manager, aber eben nicht normale Arbeitnehmer“.

Sie fordert ein, dass auch in anderen Branchen und Berufen Arbeitsbedingungen geschaffen werden, welche die Beschäftigten nicht „krank und kaputt“ machen.

„Es ist leider so, dass etwa im Bauhandwerk kaum jemand bis zum eigentlichen Renteneinstiegsalter kommt.“ Schon deutlich eher würde die körperliche, aber teilweise auch die psychische Belastung so groß werden, dass sich der Betroffene für eine Frühverrentung entscheide.