Immer ein Lied auf den Lippen

Sicherheit geht vor: Bevor es losgeht kontrolliert Brigitte Esch alle Sitze und Gurte.
Sicherheit geht vor: Bevor es losgeht kontrolliert Brigitte Esch alle Sitze und Gurte.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Brigitte Esch und Wilfried Koch fahren die Kinder zur integrativen Kita Alsbachtal und wieder nach Hause. Im Bus haben manchmal die Kinder das Sagen.

Oberhausen.. „Hoppelhase Hans macht heut einen Tanz“ ertönt aus den Lautsprechern im Bus. Lina wippt mit ihren Füßen im Takt. Amina summt leise mit. „Wickie!“ wünscht sich Lena. „Zu laut!“ ruft Cankat. „Das ist aber nicht der Coco!“ protestiert Nathan. Es hat eben jeder seine eigenen Wünsche. Brigitte Esch lacht. „Die sind vielleicht klein. Aber die wissen alle schon ganz genau was sie möchten.“ Gemeinsam mit ihrem Kollegen Wilfried Koch fährt sie die Kinder zur integrativen Kita Alsbachtal und später wieder nach Hause.

Der Bus ist kaum ein paar Minuten unterwegs, da schreit Nathan auf. „Eine Biene! Eine Biene!“ Nun herrscht Aufregung. Köpfe drehen sich in Richtung Fenster, es wird wild durcheinander gerufen. Doch Esch bleibt ganz ruhig. „Das ist doch nur ein harmloser Käfer.“ Schnell wird das Taschentuch gezückt und der ungebetene Gast an die frische Luft befördert.

Für andere Vorfälle sind die Beiden auch gewappnet. Esch zeigt auf eine Desinfektionsflasche und eine Packung Einmalhandschuhe. „Falls doch mal einem übel wird“, sagt sie schmunzelnd. Einen Erste-Hilfe-Kurs haben Esch und Koch noch vor kurzem besucht.

„Das Arbeiten mit den Kindern macht immer Spaß“, sagt Esch. Die 61-Jährige schaut immer wieder in den kleinen Spiegel an der Windschutzscheibe. So hat sie alles genau im Blick. Schließlich müssen die beiden Fahrer – besonders bei Kindern mit Behinderung – stets aufmerksam sein. „Auch deswegen fahren wir immer zu zweit. Wenn jemand aussteigt oder etwas passiert, muss der Fahrer nicht den Platz verlassen“, erklärt Koch. Cankat ist der erste, der den Bus verlässt. Abschnallen, Jacke und Tasche in die kleine Hand drücken, Tür öffnen – Esch und der Vierjährige sind ein eingespieltes Team. Vor dem Haus wird Cankat von seiner Mutter in Empfang genommen. Alle Kinder winken ihm zu, als der Bus weiterfährt. „Manchmal wollen die Kinder auch einfach im Bus sitzen bleiben“, sagt Esch.

Alsbachtal-Mitarbeiter kennen die Kinder genau

Mittlerweile läuft der Titelsong von „Wickie und die starken Männer“ im Bus. Der pfiffige Wikingerjunge animiert auch noch nach über 40 Jahren Kinder zum Mitsingen. Manchmal, sagt Esch lachend, hören sie fünf Mal hintereinander das gleiche Lied. „Die Kinder haben uns manchmal doch schon positiv im Griff.“

Die dreijährigen Zwillinge Lina und Amina sind schon ganz ungeduldig. Sie sind die nächsten, die aussteigen. „Die kennen den Weg nach einer Zeit ganz genau“, sagt Koch. Die beiden Mädels mit den rosafarbenen Hello-Kitty Rucksäcken werden schon von ihrem Vater erwartet.

Mittlerweile ist nur noch Nathan im Bus. „Ich glaube, der ist schon so halb im Schlummerland“, stellt Esch grinsend fest. Tatsächlich hat der Vierjährige seinen Kopf schon auf die Lehne des Kindersitzes gelegt. „Und wenn Nathan erst einmal eingeschlafen ist, dann kriegt man ihn kaum wach.“ Esch und Koch kennen die Kinder eben ganz genau.

Regelmäßig wechseln alle Fahrer die Strecken untereinander. Das heißt auch, dass Esch und Koch bald andere Kinder fahren werden. Ein Problem ist das aber nicht. „Klar muss man sich erst einmal auf die Kinder einstellen. Aber von den anderen Fahrern weiß man schon, wie sie so sind“, sagt Koch.

Regeln gelten für Groß und Klein

Der Bus hält vor Nathans Haus und der Vierjährige schnallt sich los. „Nathan du sollst warten bis ich dich abschnalle“, ermahnt Esch den Jungen ganz behutsam. Schließlich gibt es Regeln – auch wenn die Kleinen die Großen in diesem Bus manchmal im Griff haben.

Kaum ist Nathan an der Hand seines Vaters, geht im Bus das Radio an und es ist Zeit zum Quatschen. Koch hat durch eine Bekannte von dem Job erfahren. „Ich habe da gar nicht lange überlegt und habe den Job angenommen“, erinnert sich der 67-Jährige. Esch hat ihre frühere Stelle für den Job als Fahrerin beim Alsbachtal sogar gekündigt. Die 61-Jährige hat Erwachsene mit Behinderung gefahren. „Das Fahren mit den Kindern finde ich viel schöner und lustiger.“

Eine Dreiviertelstunde nach Abfahrt beim Alsbachtal fährt der gelbe Bus wieder auf den vertrauten Kiesparkplatz.

Esch zieht die Gurte locker und richtet die Kopflehnen der Kindersitze. „Wir müssen den Bus wieder startklar machen“, erklärt sie. Denn am Montag um kurz nach Sieben machen sich die Beiden wieder auf den Weg, um ihre Schützlinge abzuholen. Und das noch so lange, bis sie in Rente gehen. Da sind sich Brigitte Esch und Wilfried Koch einig.