Im Lesercafé in Oberhausen fällt Ausbau der Linie 105 durch

Leidenschaftlich diskutierten Leser dieser Zeitung über die geplante Verlängerung der Straßenbahn-Linie 105, die Frintrop mit dem Centro verbinden könnte – bei ihnen fiel der Plan durch.
Leidenschaftlich diskutierten Leser dieser Zeitung über die geplante Verlängerung der Straßenbahn-Linie 105, die Frintrop mit dem Centro verbinden könnte – bei ihnen fiel der Plan durch.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Was wir bereits wissen
In einer leidenschaftlichen Debatte zur Straßenbahn-Linie 105 kritisierten Leser in Oberhausen den Ausbau-Plan: Er sei zu teuer.

Oberhausen.. Die Dame am Cafétisch nebenan beobachtet die Runde genau. Immer wieder schaut sie von ihrer Zeitschrift auf, um der munteren Diskussion an der großen Tafel zu folgen. 16 Leser dieser Zeitung debattieren leidenschaftlich über den geplanten Ausbau der Straßenbahnlinie 105 von Frintrop zum Centro und den dazu anstehenden Ratsbürgerentscheid am 8. März. Als sie diese Stimmabgabe sogar per Handzeichen proben, macht die Frau am Tisch nebenan spontan mit. Trotzdem gibt es nur eine Stimme für den Straßenbahnausbau.

Eine bunte Runde aus bekannten Leserbriefschreibern und interessierten Bürgern hat sich im Traditions-Café Bauer an der Marktstraße in Alt-Oberhausen eingefunden. Dort lädt die WAZ-Redaktion jeden Monat zu einer offenen Runde.

Charly Harten bezeichnet die geplante Bahn schon jetzt als Flopp. Zu teuer und unnötig, sagt er. Statt die Straßenbahn auszubauen, sollte der Umstieg in Frintrop verbessert werden. „Wo die Essener Linie 105 endet, fährt ein Bus nach Oberhausen. Man müsste nur die Taktung verbessern, um das Umsteigen zu erleichtern.“

Umstieg erleichtern statt neu bauen

Zwei Jogger am Tisch wundern sich: „Für so viele Projekte in der Stadt war kein Geld da, aber jetzt bauen wir eine Straßenbahn?“ Immerhin würden ja 85 Prozent der Gesamtsumme von 80 Millionen Euro gefördert, sagt jemand. Leser Wolfram Försterling lässt das nicht gelten: „Ist das kein Steuergeld?“

Hasan Dagdelen arbeitet als Busfahrer in Mülheim, wo über die Aufgabe der Straßenbahnen nachgedacht wird. Er plädiert für eine aus seiner Sicht günstigere Alternative zum Streckenbau, das „Karlsruher Modell“. Dabei werden innerstädtische Straßenbahnen mit Eisenbahnstrecken verbunden. „Dazu kann die Stoag hier die Eisenbahntrasse nutzen.“ Karin Schäfer (Die Violetten) mahnt einen engen Austausch zwischen den Kommunen an: „Wie würde es weitergehen, wenn Mülheim und Essen ihre Straßenbahnen aufgeben?“

Obwohl die meisten am Tisch gegen den von der regierenden Ampelkoalition angestrebten Straßenbahnausbau sind, kritisieren viele doch den anstehenden Ratsbürgerentscheid. „Burkhard Drescher hat bei der Planung des Centros auch die Verantwortung übernommen“, sagt etwa Marianne Vier (Alstadener Bürgerring) mit Bezug auf den Ex-Oberbürgermeister. „Der Rat hat Verantwortung abgegeben“, findet auch Heide Kamps, frühere SPD-Fraktionsvize-Chefin. Sie fordert bessere und verständliche Bürgerinformationen ein. Harten befürchtet: „Zum Ratsbürgerentscheid gehen die Leute, die später eh nicht mit der Straßenbahn fahren.“