Das aktuelle Wetter Oberhausen 12°C
Glaube

Im Oberhausener Kirchenzentrum sind Muslime willkommen

22.01.2015 | 20:00 Uhr
Im Oberhausener Kirchenzentrum sind Muslime willkommen
Im Raum der Stille im Ökumenischen Kirchenzentrum beten Christen, manchmal auch Muslime.Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE Foto Services

Oberhausen.   Muslime sind im Oberhausener Ökumenischen Kirchenzentrum weiterhin willkommen. Daran ändert der Terror von Paris nichts. Es gibt sogar Gebetsteppiche.

Im Ökumenischen Kirchenzentrum in der Neuen Mitte wird in dieser Woche für die Einheit der Christen gebetet. Doch Pater Olav Hamelijnck betont: „Wir sind offen für alle Menschen, für alle Religionen.“ Das sei auch nach den Terroranschlägen von Paris noch so. Mitarbeiter des Hauses sind überzeugt: „Terrorismus hat nichts mit Glauben zu tun.“ Terroristen seien Handlanger bösartiger Menschen, die ihre eigenen Ziele verfolgten. Deshalb seien auch Muslime weiterhin im Kirchenzentrum willkommen. Seit rund drei Jahren nutzen einige sogar den Raum der Stille für ihre Gebete.

„Ich habe extra Gebetsteppiche angeschafft“, sagt Heidemarie von Musil (72), die im Kirchenzentrum mitarbeitet. Sie erzählt, wie es dazu kam. „Ich entdeckte einen Mann, der hier draußen am Zentrum auf dem Boden kauerte.“ Sie dachte: „Der will bestimmt was anstellen.“ Sie sprach ihn an. Als er sich als betender Muslim entpuppte, bat von Musil den Mann ins Haus.

Brandanschläge

Geschockt waren Mitarbeiter der Einrichtung jetzt, als ein Muslim, der im Zentrum regelmäßig Kaffee trinkt, nach den Anschlägen in Paris fragte: „Darf ich weiter kommen?“ „Natürlich darf er das“, sagt Hamelijnck. Die Begegnung sei sogar wichtig. So hat Kirchenzentrums-Mitarbeiter Johannes Grütjen (71), viele Jahre Leiter einer Hauptschule mit 42 Nationalitäten im Duisburger Norden, dort erfahren: „Wer nichts voneinander weiß, kann den Anderen auch nicht annehmen.“

In kleinen Schritten lernten auch im Kirchenzentrum evangelische und katholische Christen, einander anzunehmen, wie von Musil erzählt. „Am Anfang war hier alles getrennt.“ Es habe evangelische und katholische Arbeitskreise und Gottesdienste gegeben. Mittlerweile arbeite man so eng zusammen, dass man auch auf Menschen anderer Religionen gut zugehen könne. „Es braucht alles seine Zeit“, sagt von Musil.

Große Zuversicht

Gerda Puppel (81), Ehrenamtliche im Kirchenzentrum, war jedenfalls voller Hoffnung, als sie nach dem Terror in Paris die Reaktion der Menschen sah. All die Leute auf den Straßen hätten sie mit großer Zuversicht erfüllt. Ganz fürchterlich findet sie nun wieder die Brandanschläge auf Kirchen in Niger, die bei Demonstrationen gegen Charlie Hebdo verübt wurden. „Überhaupt ist diese viele, oft religiös motivierte Gewalt in der Welt furchtbar“, sagt Puppel.

Hamelijnck: „Jegliche Form von Fanatismus in einer Religion hat mit der Religion an sich nichts zu tun.“ Religiös motivierte Terroranschläge seien immer auch Anschläge auf die Religion selbst. Der Pater hält ein Miteinander der Religionen auf jeden Fall für möglich. „Man muss sich darum bemühen“, sagt er. Wo verschiedene Ansichten aufeinanderträfen, gebe es immer Konflikte. Auch innerhalb einer Religion. Hamelijnck betont: „Ich bin einem Muslim, der mit mir für den Frieden betet, näher als einem katholischen Kollegen, der mit Pegida auf die Straße geht.“ Apropos Pegida : Da denken die Besucher des Kirchenzentrums, dass diese Initiative im Ruhrgebiet kaum Zulauf hat, weil hier schon lange Menschen vieler Nationalitäten zusammenleben und die Angst vor dem fremden Anderen nicht mehr so stark ist. Dennoch ist Hamelijnck von Pegida beunruhigt. „Sie treten aggressiv auf und schüren eine schlechte Stimmung“, fasst er zusammen.

Andrea Micke

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
article
10263755
Im Oberhausener Kirchenzentrum sind Muslime willkommen
Im Oberhausener Kirchenzentrum sind Muslime willkommen
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/im-kirchenzentrum-beten-muslime-id10263755.html
2015-01-22 20:00
Glaube, Religion, Kirche, Christentum, Islam,
Oberhausen