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Interview der Woche

„Ich fühle mich sehr vereinsamt“

30.07.2010 | 19:01 Uhr
„Ich fühle mich sehr vereinsamt“
Bibliothekschef Ronald Schneider am Eingang des Service-Centers an der Helmholtzstraße. Auch wenn er bis zur Eröffnung in Pension sein wird, fiebert er der Neu-Eröffnung 2011 im Bert-Brecht-Haus entgegen. Schließlich hat er jahrelang für den Umbau gekämpft.

Während im Bert-Brecht-Haus umgebaut wird, ist auch die Stadtbibliothek heimatlos — und mit ihr Bibliotheksleiter Ronald Schneider. Mit ihm sprach Redakteurin Rusen Tayfur über E-Books und die erotische Anziehungskraft von echten Büchern aus raschelndem Papier

Herr Schneider, wie geht es Ihnen in Ihrem Provisorium auf dem Babcock-Gelände?

Schneider: Ganz offen gesagt: Ich fühle mich sehr vereinsamt. Ein Bibliothekschef ohne seine Bibliothek und ohne seine Mitarbeiter fühlt sich doch ein Stück weit seiner selbst entfremdet.

Ihre Kunden haben indes die Möglichkeit, ins Service-Center an der Helmholtzstraße zu kommen. Wie wird dies angenommen?

Das ist für uns die ganz große Überraschung. Denn wir bieten dort einen Besorgungsservice an, über den man so gut wie jedes Medium bestellen und innerhalb von wenigen Tagen abholen kann, aber die Bürger zeigen kaum Interesse daran.

Wie erklären Sie sich das?

Die Nutzer von Bibliotheken wollen die Bücher sehen, für die sie sich interessieren. Sie wollen sie in die Hand nehmen und in ihnen blättern. Sie wollen keine Literaturbesorgungsstelle, sondern einen schönen Raum, in dem sie sich aufhalten können. Unsere Kunden fahren lieber in eine Zweigstelle oder sogar in die Nachbarstadt als den Besorgungsservice in Anspruch zu nehmen. Diese schwache Nutzung ist ein eindrucksvolles Votum und der beste Beleg dafür, dass wir eine neue Bibliothek brauchen. Alle Ideen, durch regionale Kooperationen Einsparungen zu erzielen, werden damit ad absurdum geführt.

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