Hohe Telefonrechnung nach Klinikaufenthalt in Oberhausen
22.08.2011 | 06:00 Uhr 2011-08-22T06:00:00+0200
Oberhausen. Eine Seniorin soll für 27 Tage Klinikaufenthalt in Oberhausen 67,50 Euro Telefongebühren zahlen - obwohl sie kaum telefoniert hat. Das Krankenhaus verweist auf seine Flatrate-Regelung. Ein anderes Gebührensystem gebe es nicht mehr.
27 Tage lag die 84-Jährige im St.-Clemens-Hospital , das Telefon am Bett war vor allem den Angehörigen wichtig: Schnell einmal anrufen, Mama, wie geht es dir? Oma, ich komme gleich vorbei. Selbst Anrufe getätigt habe die Seniorin kaum – sie soll nun aber trotzdem 67,50 Euro Telefongebühren für 27 Tage bezahlen.
Denn das Clemens-Krankenhaus bietet wie zahlreiche andere Hospitäler seinen Patienten nur noch eine Telefon-Flatrate an: 2,50 Euro berechnet die Leitung den Kranken pauschal fürs Telefonieren ins deutsche Festnetz und in Handynetze – egal, wie viele Minuten sie wirklich an der Strippe hängen. Das Krankenhaus spricht von einem günstigeren Angebot verglichen mit der Einzelgesprächsabrechnung.
Nach "Rasenmähermethode" zur Kasse gebeten
„Wer nur angerufen werden möchte, muss ja auch keine Pauschale bezahlen“, sagt Prokurist Hans Rosenkranz . Die Angehörigen der kranken Seniorin entgegnen: „Hier werden Patienten nach der Rasenmähermethode zur Kasse gebeten“ - und fordern eine gerechtere Abrechnung.
Der Vergleich zeigt: Die Faltrate ist hoch angesetzt. Am Johanniter Krankenhaus etwa kostet das uneingeschränkte Telefonieren 2 Euro am Tag. Rosenkranz begründet: „Wir haben 250 000 Euro in eine neue Anlage investiert.“ Zudem würden Apparate, die nur zur Anrufannahme freigeschaltet würden, von den übrigen pauschal zahlenden Patienten mitfinanziert.
Weil das Telefonieren mit dem Handy in den meisten Spitälern nicht erlaubt ist, sind die Telefone am Krankenbett oft die einzige Alternative. Doch die Anschlüsse werden nur zu den Bedingungen der Krankenhäuser freigegeben. Verbraucherschützer raten deshalb, sich vorher genau zu informieren.
Katholische Krankenhäuser setzen weiter auf Einheiten-Modell
Tagespauschalen gültig für deutsche Handynetze und das Festnetz haben das St.-Clemens-Hospital (2,50 Euro inkl. Bereitstellungsgebühr) und das Johanniter-Krankenhaus (2 Euro inkl. Bereitstellungsgebühr). Auch am Evangelischen Krankenhaus Oberhausen (EKO) wird aufs Pauschalen-Modell umgestellt. Noch kaufen Patienten für 25 oder 15 Euro Guthaben (inkl. 5 Euro Kartenpfand) und zahlen pro Tag 1,50 Euro Bereitstellungspauschale - 90 Sekunden kosten 15 Cent. An den KKO können Patienten für 20 Euro Guthaben erwerben, 1 Euro kostet die Bereitstellung des Apparats, vier Minuten am Telefon werden mit 15 Cent berechnet. An der Helios-St.-Elisabeth-Klinik zahlen Patienten 30 Euro, davon 15 Euro Pfand und 15 Euro Guthaben. Gesetzlich Versicherte zahlen 1 Euro Bereitstellungsgebühr pro Tag. Nicht genutztes Guthaben wird in der Regel erstattet.
Denn wer nur wenig telefoniert, zahlt bei Pauschalangeboten unnötig drauf. „Gerechter“ sei dann die Einzelgesprächs-Abrechnung, sagt Kathrin Fenner, Sprecherin der Katholischen Krankenhäuser Oberhausens (KKO). „Die Abrechnung sollte sich nach der tatsächlichen Nutzungsdauer richten. Wir werden das Einheiten-Modell auch künftig beibehalten.“
Um unnötige Überraschungen gerade beim Einheiten-Modell zu vermeiden, sollten Angehörige genau nachfragen. Die Verbraucherzentrale NRW gibt eine Checkliste vor: Welche Bereitstellungsgebühr fällt pro Tag an? Was kostet eine Telefoneinheit und wie lange ist sie? Kann man nur über eine (teure) 01805-Nummer erreicht werden? Denn das sorgt für hohe Kosten bei den anrufenden Angehörigen. Nicht immer ist zudem gesichert, dass man günstige Sparvorwahlen nutzen kann.
Individuelle Abrechnung
Für Viel-Telefonierer können sich pauschale Tarife lohnen. „Viele unserer Patienten haben gerade im Krankenhaus Zeit, zu telefonieren“, sagt Gabriele Beyer, Sprecherin des Johanniter-Krankenhauses. Deshalb biete man ebenfalls die Tagespauschale an. „Wer wenig telefoniert, ist nicht verpflichtet, den Anschluss freistellen zu lassen.“
Für den lohnen sich Alternativen: In bestimmten Bereichen der Hospitäler ist das Telefonieren mit dem Handy erlaubt, andere haben noch Münztelefone - nachfragen zahlt sich in jedem Fall aus.

03:39
Bei anderen Krankenhäuser und Uni-Kliniken gibt es für Patienten kein Handy-Verbot !
Und im OP-Raum telefoniert nur Personal mit Handy, und kein Betäubter .
09:34
Haben sich die Angehörigen nicht vorher über die Kosten informiert? Ein Zeichen von Dummheit!
22:33
Ist ein solcher Artikel wirklich wichtig? Wird wohl eher nicht für den deutschen Journalistenpreis vorgeschlagen ...
21:49
haben wir gelacht.hoffentlich verklagt die oma(bzw.deren angehörige) das krankenhaus.das verstösst doch mächtig gegen gute sitten und ausnutzen.
15:56
Das Telefon am Bett ist eine Einnahmequelle für das Krankenhaus.
Und da wird dann gerne auch zugelangt! Das ist kein Einzelfall.
Und Leute die ans Bett gefesselt sind, haben ja so viele Alternativen?
15:31
Ich finde, das Märchen, Handys würden eine Gefahr für technische Geräte im Krankenhaus sein, gild nicht mehr. Denn das gesamte Personal im Krankenhaus telefoniert auch mit Mobilfunk!
Ich benutze jedenfalls mein Mobilfunkgerät nur noch.
13:09
Ein Mediziner in einem Vortrag zu den anwesenden Hörern.
Wenn sie ihre Lebenserwartung signifikant erhöhen wollen, dann müssen sie nicht aufhören zu rauchen oder regelmäßig Sport treiben, sondern sie sollten in erster Linie Krankenhäuser meiden. Nicht nur als Besucher, sondern auch als Patient.
Einfach mal nach MRSA suchen.
Oder hier mal nachschauen:
http://www.wdr.de/tv/quarks/sendungsbeitraege/2009/0407/002_keime.jsp
10:51
Krankenhäuser waren mir selten angenehm. Wieder ein Grund mehr diese zu meiden versuchen.
10:16
Welchen plausiblen Grund giibt es heute noch, Handys im Krankenhaus zu verbieten?
Jetzt komme mir bitte keiner mit dem Märchen, hierdurch werden in einem gewöhnlichen Patientenzimmer irgendwelche elektronischen Geräte gestört.
10:07
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