Hoffnungsschimmer in Saporoshje

Ein Foto aus entspannteren Zeiten: Das Bild vom Rathaus in Saporoshjeentstand vor gut zwei Jahren, bei einer der vorerst letzten Ukraine-Reisen von Norbert und Maria Dengel.
Ein Foto aus entspannteren Zeiten: Das Bild vom Rathaus in Saporoshjeentstand vor gut zwei Jahren, bei einer der vorerst letzten Ukraine-Reisen von Norbert und Maria Dengel.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Die Menschen in Oberhausens Partnerstadt setzen große Erwartungen in das Minsker Abkommen. Norbert Dengel hält ständigen Kontakt in die Ukraine.

Oberhausen.. Es war ein zähes Ringen in Minsk, doch am Ende der 17-stündigen Verhandlungen steht ein geplanter Waffenstillstand – und Friedenshoffnungen in der Ukraine. Auch in Saporoshje, Oberhausens ukrainischer Partnerstadt, die nur rund 250 Kilometer von den Kampfgebieten entfernt liegt, wurde gestern durchgeatmet.

„Es ist ein Hoffnungsschimmer“, sagt Desbina Kallinikidou. Sie ist zuständig für die Städtepartnerschaften in Oberhausen und konnte gestern mit ihrer ukrainischen Kollegin Tatjana Stepanenko telefonieren. „In Saporoshje verbinden viele Menschen große Hoffnungen mit dem Minsker Abkommen“, so Kallinikidou, die immer wieder hört, dass auch die Not der Menschen in Saporoshje groß ist; „Die Menschen leiden sehr. Zwar sind sie nicht in unmittelbare Kämpfe verwickelt, aber sie hören die Explosionen, fürchten, dass die Männer der Stadt eingezogen werden und beherbergen viele Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten.“

Regelmäßiger Kontakt per Skype

Bestätigen kann das Norbert Dengel. Lange Zeit war er Mitglied des Förderkreises Saporoshje, ist nun tätig im Verein „Grüne Luftbrücke“ und hat regelmäßig Kontakt mit Bekannten aus der Partnerstadt. „Zwei bis drei Mal in der Woche skype ich mit Freunden dort“, erzählt er. Frei sprechen könnten seine Gegenüber aber nicht immer. „Da muss man ja auch immer überlegen, ob einer vielleicht mithört“, erzählt er. Auch im Alltag seien die Menschen in Saporoshje auf der Hut.

„Über Politik wird so gut wie gar nicht gesprochen, denn man weiß ja nicht, wie die anderen so denken. Höchstens also mal in einem Vier-Augen-Gespräch“, erklärt Norbert Dengel, dem auch berichtet wurde, dass die politischen Geschehnisse in der Schule nicht thematisiert würden.

Versorgungslage ist schlecht

Außerdem sei die Versorgungslage sehr schlecht und die Menschen könnten sich immer weniger für ihr Geld kaufen. „Der Griwna hat unheimlich an Wert verloren. Vor etwas mehr als einem Jahr lag der Wechselkurs noch bei rund 10 Griwna pro Euro, inzwischen sind es rund 30“, rechnet Dengel den Verlust vor. „Fleisch ist inzwischen nahezu unerschwinglich.“ Er spricht von einer spürbaren Inflation. Der Kauf von Arzneimitteln sei ebenfalls sehr problematisch.

„Da überlegt man natürlich, wie man helfen kann, aber es ist alles andere als einfach“, weiß Dengel. In der Vergangenheit schickte der Förderkreis den ein oder anderen LKW bepackt mit vielen gut gefüllten Kartons in die Ukraine. „Das ist derzeit undenkbar“, sagt auch Kallinikidou.

Das Versenden per Post sei keine Alternative: „Ein kleines Päckchen kostet schon mindestens 30, 40 Euro und die Frage ist, ob die Pakete überhaupt ankommen“, berichtet Norbert Dengel. Auch der Geldtransfer sei äußerst kostspielig. Auch die Stadt Oberhausen habe versucht, Hilfe nach Saporoshje zu schicken. „Der sicherste Weg ist derzeit über die Bundesregierung“, erläutert Kallinikidou, die hofft, dass durch das Minsker Abkommen vielleicht schon im nächsten Jahr wieder Oberhausener LKW mit Hilfspaketen in die Partnerstadt rollen können.