Hoffnung in Oberhausens Partnerstadt Saporoshje

Als Norbert und Maria Dengel (Grüne Luftbrücke e.V., der Kontakt zu Waisen und Adoptivfamilien in Saporoshje hält) 2013 die Partnerstadt besuchten, herrschte in der Ukraine noch kein Krieg. Heute leben hier zahlreiche Flüchtlinge.
Als Norbert und Maria Dengel (Grüne Luftbrücke e.V., der Kontakt zu Waisen und Adoptivfamilien in Saporoshje hält) 2013 die Partnerstadt besuchten, herrschte in der Ukraine noch kein Krieg. Heute leben hier zahlreiche Flüchtlinge.
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Desbina Kallinikidou vom Büro für Interkultur berichtet über ihren Kontakt mit der Partnerstadt. Waffenstillstands-Abkommen weckt neuen Mut.

Oberhausen.. Hoffnung ist seit gestern wieder bei den Menschen in Oberhausens ukrainischer Partnerstadt Saporoshje eingezogen. Das sagt Desbina Kallinikidou vom städtischen Büro für Interkultur, die gestern noch mit städtischen Vertretern der Stadt am Fluss Dnjepr gesprochen hat: „Der nun vereinbarte Waffenstillstand hat den Menschen in Saporoshje neuen Mut gegeben. Sie sind dort sehr erschöpft angesichts der schon etwa ein Jahr dauernden Bedrohung durch den Krieg, der nur wenige Kilometer entfernt tobt.“

Antrag auf Fördergelder wird gestellt

In Saporoshje selbst sei es zwar nicht zu Kriegshandlungen gekommen: „Aber die Bewohner haben immer wieder die Explosionen der Angriffe gehört. Das zermürbt und schafft enormen psychischen Druck.“ Hinzu komme, dass die Menschen in Saporoshje ständig in der Angst um ihre Männer, Väter und Söhne lebten; sie mussten immer damit rechnen, dass sie von der Armee eingezogen werden.

Dass der Krieg zwischen den prorussischen Separatisten und der ukrainischen Armee auch in Oberhausens Partnerstadt ständig gegenwärtig ist, dafür sorgen ferner zahlreiche Flüchtlinge, die aus den umkämpften Regionen der Ukraine nach Saporoshje kommen. Kallinikidou: „Die meisten finden Unterschlupf bei Freunden und Verwandten.

Brief an Klaus Wehling

Für die Menschen dort ist es aber schwierig, außer sich selbst auch noch die Flüchtlinge zu versorgen.“ Sie erzählt, dass zum Ende des vergangenen Jahres der Oberbürgermeister von Saporoshje bereits einen Brief an Oberhausens Oberbürgermeister Klaus Wehling geschrieben hatte, in dem er um Hilfe für die Versorgung der Flüchtlinge bat: „Er musste den Brief dann nicht abschicken, weil die Bundesregierung Mittel für Flüchtlingsunterkünfte bereitgestellt hat. Davon ging ein Teil nach Saporoshje.“

Regelmäßig hält sie über Telefon Kontakt zu Mitarbeitern im Rathaus von Saporoshje, hört, was die Menschen dort bewegt: „Es treibt mich schon sehr um. Man hat sich noch vor einem Jahr unbeschwert getroffen und sogar über Modelle zur Energieeffizienz diskutiert. Und nun erlebt man, wie schnell sich das Leben ändern kann und dass es manchmal jetzt nur noch ums Überleben geht.“ Auch Kallinikidou hofft, dass der Waffenstillstand hält, was er verspricht.

Oberhausener Schulen halten Kontakt

Doch unabhängig davon werde Oberhausen alles tun, um die Städte­partnerschaft lebendig zu halten: „Die Gymnasien Bertha-von-Suttner und Sophie-Scholl und die Friedrich-Ebert-Realschule halten ständig Kontakt. Zwar konnten 2014 keine Gruppen nach Saporoshje reisen und werden es wohl auch 2015 nicht, denn unsere Partner können unsere Sicherheit nicht garantieren.

Aber die Akteure treffen sich in Oberhausen oder an einem dritten Ort. Die Planungen dazu laufen.“ Oberhausen wird zudem einen Antrag auf Fördermittel stellen: „Das Auswärtige Amt hat gerade Sondermittel bereitgestellt für Begegnungen mit der Ukraine.“