Hochkarätiges Klavierkonzert im Ebertbad

Es ist schon bemerkenswert, wie es dem Künstlerförderverein immer wieder gelingt, hochkarätige Künstler nach Oberhausen zu holen, die sonst hier kaum zu hören wären. So gastierten in der 168. Matinee der russische Pianist Denys Proshayev, Sieger des ARD-Wettbewerbs 2002, und seine französische Duo-Partnerin Nadia Mokhtari im Ebertbad.

Der erste Teil wurde solistisch bestritten: Nadia Mokhtari spürte den verschlungenen psychischen Wegen Alexander Skrjabins nach, dessen frühe Mazurka op.3,1 deutlich den Einfluss Chopins, aber auch schon seine eigenen typischen Stilelemente zeigt. Stärker ausgeprägt ist dann seine mystisch-ekstatische Chromatik in der zehn Jahre später entstandenen Fantasie in der „schwarzen“ Tonart h-moll.

Tschaikowskis 12 Klavierstücke „Die Jahreszeiten“ verraten deutlich den Einfluss Robert Schumanns. Die der jetzigen Jahreszeit entsprechenden Teile „April, Mai und Juni“ lassen sich erstaunlich melancholisch an und wurden von Denys Proshyev in vorwiegend zarten Pastellfarben sensibel abgetönt, ehe sich dann mit dem Schnitterlied (Juli) und dem Erntetanz (August) fröhlichere Töne durchsetzten.

Vierhändiges Spiel im zweiten Akt

Im zweiten Teil des Konzerts am Vormittag vereinten sich die beiden Künstler zum vierhändigen Spiel: Ravels von der „Mutter Gans“ erzählte Kindermärchen entführen in eine unwirkliche Traumwelt, deren zeitloses Schweben leider durch einen flügelbedingt etwas harten Diskant nicht ganz zum Tragen kam. Den wirkungsvollen Abschluss des Programms bildete die vierhändige Fassung von Leonard Bernsteins Orchesterdivertimento, das er zum 100. Geburtstag des Bostoner Orchesters komponiert hat: Ein furios-skurriles, immer geistreiches Spiel mit den Formeln populärer Musik, durch dessen grotesken Humor unversehens sarkastischer Ernst aufblitzen kann. Nach einer dementsprechend hinreißenden Interpretation war daraus natürlich eine Zugabe fällig.