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Soziales

Hinter Schulden stecken Schicksale

16.03.2009 | 19:31 Uhr

Die Caritas berät seit Anfang März Menschen in finanziellen Nöten – es geht vor allem um Verbraucherinsolvenzen.

Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, Finanzkrise – Haushalte, die keine Reserven zurückgelegt haben, treibt die momentane wirtschaftliche Situation finanziell in die Enge. Die Raten fürs Haus, fürs Auto und für andere Kredite können nicht mehr bezahlt werden. Die Überschuldeten wissen kaum weiter – und werden zu Klienten von Dagmar Ghaffari.

Die diplomierte Sozialarbeiterin ist seit Anfang März bei der Caritas in deren neuer Schuldnerberatung tätig und wird künftig Privatleute bei dem Weg in die Verbraucherinsolvenz unterstützen und ihnen so raus aus den Schulden helfen. Die Frage, ob sie denn schon Beratungsgespräche geführt habe, beantwortet Dagmar Ghaffari mit einem „Ja” und einem ironischem Lachen. „Das ging schon gleich los”, sagt sie.

Schließlich hat die Caritas die neue Stelle nicht ohne Grund eingerichtet. „Es ist ein ganz großer Bedarf da”, weiß Rita Piroth, die bei der Caritas für die Sozialberatung zuständig ist und in ihrer Arbeit immer wieder mit den Problemen Verschuldeter zu tun hat: „Es fehlt dann schnell an allen Ecken und Enden.”

In Oberhausen fehlte es vor allem an einer weiteren Hilfe für Schuldner. Zwar bietet die Diakonie eine Beratung an. Mit deren halber Stelle aber sei der Bedarf in einer Stadt wie Oberhausen nicht gedeckt, ist man sich bei der Caritas sicher. Und auch bei der Landesregierung: Das Land nämlich bezahlt die Stelle von Dagmar Ghaffari, so dass die Caritas nach fünf Jahren finanzieller Zwangspause wieder in der Schuldnerberatung aktiv sein kann.

Dagmar Ghaffari selbst ist seit 15 Jahren als Schuldnerberaterin tätig. Seitdem diese Möglichkeit 1999 eingeführt worden ist, begleitet sie Verschuldete durch die Verbraucherinsolvenz.

Eine lange Zeit, in der sie viele Betroffene beraten hat. Doch die Gründe für die Überschuldung sind in der Regel die gleichen geblieben: „Die Hauptverantwortlichen sind: Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennung.” Natürlich gebe es auch Fälle von Misswirtschaft, zum Beispiel Shoppingtouren durchs Internet oder teure Handyverträge bei Jugendlichen. Aber dass Schuldner ihr Geld „vertrunken oder verraucht hätten”, sagt Caritas-Sprecher Reinhard Messing, sei meist nicht mehr als ein Vorurteil. Hinter den Schulden steckten Schicksale. Und hier sehe die Caritas ihre große Hilfe. Insolvenzberatung böten auch Rechtsanwälte an. Aber das Angebot der Caritas sei kostenlos und gehe außerdem über eine Rechtsberatung hinaus. Als Sozialarbeiterin habe man eben doch mehr den Menschen als nur die Schulden im Blick.

Info: Dagmar Ghaffari hat immer montags von 14 bis 16 Uhr offene Sprechstunde im Caritas-Zentrum Sterkrade, Kantstraße 17.

Julia SEIFERT

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