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Hilfe nach der Klinik-Entlassung

15.10.2010 | 17:33 Uhr
Hilfe nach der Klinik-Entlassung
Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool

Oberhausen. Stellen Sie sich vor, Sie leben alleine und müssen ins Krankenhaus. Nach ein paar Tagen werden Sie entlassen, sind aber weiter auf Hilfe angewiesen. Was nun?

An Fragen wie dieser kommen auch die Krankenhäuser vor Ort nicht mehr vorbei. Im St.-Marien-Hospital sind Wolfgang Schmitz (56) und Bernadette Berger (56) inzwischen täglich auf der Suche nach Lösungen für ihre Patienten. Die Krankenhausaufenthalte werden immer kürzer. Ensprechend groß ist der nachstationäre Pflegebedarf. „Die Nachsorge beginnt bei uns bereits bei der Aufnahme“, sagen Fallmanager Schmitz und Pflegedirektorin Berger.

Was in der Praxis bedeute: „Jede Station klärt sofort zu Beginn des Klinikaufenthaltes ab, ob der Patient alleine lebt, ob er von Angehörigen versorgt werden kann, ob möglicherweise eine Pflegestufe vorliegt oder ob wir die erst für ihn beantragen müssen“, berichtet Stationsleiterin Sylvia Sikorra (39). Mit Hilfe dieser und vieler weiterer Angaben werde für jeden Kranken ein Entlassungsplan erarbeitet. „Dafür gibt es einen speziellen Index, mit dem wir Defizite auflisten — etwa bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Beweglichkeit“, führt Sikorra aus. Dabei würden nach Möglichkeit auch die Angehörigen ins Boot geholt. „Denn unser Ziel ist es ja, unsere Patienten gut betreut wieder nach Hause zu entlassen.“

Doch manchmal sind es gerade die Angehörigen selbst, denen die Sorge des Fallmanagers oder der Pflegedirektorin gilt. „Ich hatte erst kürzlich einen Fall, wo der Mann bei uns operiert werden sollte und nicht wusste, was in dieser Zeit aus seiner im Rollstuhl sitzenden Frau werden sollte“, erinnert sich Schmitz. Dank des Verbundes mit der Katholische Kliniken Oberhausen gGmbH habe er der Frau schließlich unbürokratisch einen Kurzzeitpflegeplatz organisieren können. „Ähnliche Probleme haben aber zum Beispiel auch viele alleinerziehende Mütter“, erzählt Wolfgang Schmitz.

Und Bernadette Berger ergänzt: „Um jedem Patienten helfen zu können, arbeiten wir eng mit Hausärzten, Sanitätshäusern, Kranken- und Pflegekassen, ambulanten Pflegediensten, Heimen, Rehakliniken und — gerade wenn Kinder betreut werden müssen — natürlich mit der Stadt zusammen.“ Individuelle Lösungen seien immer mehr gefragt. „Man muss sich ja mal überlegen, dass es allein bei uns im Oberhausener Norden rund 5400 Singlehaushalte gibt“, macht Berger aufmerksam.

Durch alle sozialen Netze fielen allerdings Patienten, die nach der Entlassung zu Hause nur für drei, vier, fünf Wochen eine zusätzliche Unterstützung benötigten. „Das sind in der Regel junge Leute“, so Schmitz. Für häusliche Hilfsmaßnahmen aber fühlten sich in diesen Fällen weder die Krankenkasse noch die Pflegekasse zuständig. „Denn letztere greift erst bei Hilfsmaßnahmen, die länger als ein halbes Jahr benötigt werden.“ Und die Krankenkasse springe nur bei Müttern mit Kindern unter zwölf Jahren ein. „Dann wird eine Haushaltshilfe bewilligt“, so Schmitz. Hier sei im Notfall also Fantasie gefragt. „Wir suchen dann etwa den Kontakt zur Caritas.“ Gute Kontakte sind eben Trumpf und die haben sich Berger und Schmitz in den letzten 13 Jahren hart erarbeitet. Geholfen hat ihnen dabei, dass die Katholische Kliniken Oberhausen gGmbH, zu der auch das Marien-Hospital gehört, längst Mitglied im Palliativ- sowie im Demenznetzwerk ist.

Da der Bedarf an nachstationärer Pflegebetreuung immer mehr steigt, wird das KKO im St.-Marien-Hospital ein Patienteninformationszentrum einrichten, das ab Januar 2011 mit zwei Mitarbeitern die Arbeit aufnimmt. Patienten, aber auch alle anderen Oberhausener können sich dort beraten lassen.

Barbara Hoynacki



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