Hells Angel bestreitet Attacke auf Bandidos-Mitglied

Die Polizei sicherte den Prozess gegen den Rocker am Oberhausener Schöffengericht.
Die Polizei sicherte den Prozess gegen den Rocker am Oberhausener Schöffengericht.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Erster Prozesstag zum spektakulären Rockerstreit in Oberhausen. Der angeklagte Hells Angel bestreitet, ein Bandidos-Mitglied attackiert zu haben.

Oberhausen.. Ramin Y. ist ein „prominenter“, ein in Rockerkreisen bekannter Klient, den die Düsseldorfer Rechtsanwaltskanzlei Bonn und Heinen vertritt. Am Mittwoch musste sich der 26-Jährige vor dem Oberhausener Amtsgericht verantworten, weil er – unterwegs auf einer Harley – am 7. Juli 2013 auf der Konrad-Adenauer-Allee in Höhe des Schlosses ein Mitglied der Bandidos brutal während der Fahrt von seinem Motorrad getreten haben soll.

Keine Hilfe gewollt

Ein Zeuge, der auch vor Gericht erklärte, den Angeklagten hundertprozentig wiederzuerkennen, schilderte das Geschehen dramatisch. Seine Lebengefährtin und er hätten noch die schöne Harley Davidson bewundert, deren Fahrer, ein Bandidos Prospect (Anwärter), neben ihnen vor der Ampel am Schloss gewartet habe. Dann lautes Geknatter von hinten. Hells Angels hätten sich auf Motorrädern genähert, seien teils bei Rot über die Ampel gefahren. Die sei gerade von Gelb auf Grün gewechselt, als ein Hells Angel auf einer auffälligen weißen Harley näher kam.

Gleichzeitig sei der Bandido angefahren. Der Hells Angel, der ohne Helm unterwegs gewesen sei, habe dem Prospect einen Tritt vor den Oberschenkel versetzt. Der Mann sei gestürzt, mit dem Kopf auf den Boden geprallt und mit seinem Motorrad über die Straße geschlittert. Der Hells Angel habe gehalten und ein Messer gezückt. Der Bandido, der sich aufgerappelt hatte, habe plötzlich auch ein Messer in der Hand gehalten. Der Hells Angel sei danach weggefahren.

Der Zeuge leistete noch erste Hilfe bei dem Opfer, das aber keinen Arzt und keine Polizei wollte und tatsächlich auch gegenüber Polizeibeamten, die später doch zum Unfallort kamen, nichts von einer möglichen Straftat erzählte.

Anwälte bezweifelten Glaubwürdigkeit der Zeugen

Das Pikante an der Geschichte: Ramin Y., mittlerweile Präsident des Hells Angels Charters in Mönchengladbach, gehörte bis 2012 selbst zu den Bandidos, war sogar Präsident des Leverkusener Chapters. Dann liefen er und etliche seiner Kollegen zu den verfeindeten Hells Angels über. Kurz vor diesem sogenannten „Patch over“ soll Ramin Y. noch als Bandido bei einer Massenschlägerei ein Mitglied der Hells Angels niedergestochen haben. Dieses Verfahren gegen ihn wurde eingestellt.

Den neuerlichen Vorwurf bestreitet der 26-Jährige. Seine Anwälte bezweifelten die Glaubwürdigkeit des Zeugen und ziehen auch rachsüchtige Bandidos als Strippenzieher bei einem Komplott gegen ihren Mandanten in Erwägung.

Rockerkollegen des Hells Angels bleiben der Verhandlung fern

Wer am Mittwoch zur Verhandlung gegen Hells Angels Ramin Y. wollte, der musste sich nicht nur am Eingang des Amtsgerichtes kontrollieren lassen – wie üblich. Verschärfte Kontrollen gab es noch mal am Flur zum Verhandlungssaal. Weil man auch mit Rockerkollegen des 26-Jährigen gerechnet hatte, war eine große Anzahl an Polizisten im Einsatz.

Doch die Rocker blieben aus. Ramin Y. schaffte die Verhandlung auch allein mit seinen beiden Rechtsanwälten Wolf Bonn und Carsten Heinen. Bonn über den arbeitslosen Präsidenten der Hells Angels Mönchengladbach: „Er macht zurzeit ein Orientierungspraktikum in einem Geschäft für Unterhaltungselektronik mit der Aussicht, übernommen zu werden.“ Vorher habe er sich zum Tankwart ausbilden lassen wollen, die Ausbildung aber abgebrochen. Auf die Frage Richter Kunzes, warum er abgebrochen habe, antwortete Bonn: Ihr Mandant gehöre zu den Hells Angels, da sei auch öfter mal die Polizei bei ihm aufgetaucht und das sei dem Tankstellenbetreiber zu aufregend gewesen.

Auf jede Frage eine Gegenfrage

In gewisser Weise aufregend und wohl aufreibend für den Richter war die Aussage des mittlerweile ehemaligen Bandidos, den Ramin Y. vom Motorrad getreten haben soll. Jede Frage des Richters beantwortete er mit einer Gegenfrage. „Was soll ich Ihnen erzählen, Sie wissen doch alles.“ Oder: „Ist doch gut, wenn ich nichts weiß, dann muss ich bei den Bullen nicht lügen.“ Darauf der Richter: „Bullen sagen wir hier nicht, da sitzen ganz schön viele Polizeibeamte hinter ihnen, die könnten sich beleidigt fühlen.“ Der Zeuge darauf: „Das ist mir scheißegal.“ Oder „dankbar“ zur ersten Hilfe des Autofahrers: „Jetzt wollen wir hier mal keine Ritterkreuze verteilen.“

Nach den Aussagen der Zeugen, dann eine überraschende Wende: Die Verteidiger erklärten, ihr Mandant könne gar nicht der Täter gewesen sein. Er sei zur Tatzeit bei der „No Mercy Fight Night“ in einer Disco gewesen. Dafür gebe es mehrere Zeugen, andere Hells Angels. Die sollen nun noch gehört werden. Überraschend auch, wie die Polizei von einem Vorfall mit Rockern auf der Konrad-Adenauer-Allee erfuhr. Bei einer Telefonüberwachung gegen Rocker wegen Rauschgiftdelikten war eine SMS abgefangen worden, in der ein Bandido einen anderen über den Übergriff informierte. Das schilderte Ralf Weyer, Leiter des Kommissariates für Organisierte Kriminalität. Dazu erklärten die Anwälte, dass die Bandidos, die von den Abhöraktionen wüssten, wohl gezielt ihren Mandanten angeschwärzt hätten.

Die Verhandlung wird am 18. Februar fortgesetzt.