Heimtückischer Gattenmord in Welheim

Überfälle, heimtückische Morde, Beziehungsdramen und, wie heute, sexuelle Übergriffe: Auch im alten Westfalen konnte man ein Lied davon singen. Von 56 Hinrichtungen und wie es dazu kam, berichtet Udo Bürger in seinem jetzt erschienenen Buch „Westfälische Unterwelt“.

Darin spürt der Germanist, Philosoph und Kunsthistoriker den großen Kriminalfällen nach, die zwischen 1815, der Errichtung der preußischen Provinz Westfalen, und dem Ende des Kaiserreichs 1918 in dem Gebiet stattfanden, das fast identisch ist mit dem heutigen westfälischen Teil Nordrhein-Westfalens. Auch einen Gattenmord bei Schloss Welheim rekonstruiert Udo Bürger anhand von Berichten der Rheinisch-Westfälischen Zeitung aus dem Jahr 1886. Sie stammen aus dem Sommer nach dem Mord, und waren nach der Urteilsverkündung erschienen, wonach Maria Tibi, geborene Giepen aus Borbeck, zu zehn Jahren Haft verurteilt worden war. Der Mord selbst war im Dezember 1885 geschehen. Die 28-Jährige hatte ihren Mann Heinrich unter dem Vorwand, beim Schloss Kühe in Empfang zu nehmen, nach Welheim gelockt. Man habe auf einer Bank unter einem Heiligenbild gesessen und später bei einem Heuschober Schutz vor Kälte gesucht. Dort sei auf ihn geschossen worden, nachdem seine Frau sich aus dem Staub gemacht habe. So gibt die Zeitung den Bericht des Schwerverletzten wieder, der sich noch zum Schloss schleppte und dem Gutspächter den Hergang berichtete. Bald darauf stellte sich die Schuld der Frau heraus, nicht zuletzt, weil man einen Zettel mit ihrer Handschrift beim Tatort fand, der den Verdacht auf einen bekannten Metzger lenken sollte. Auf den 320 Seiten mit zahlreichen schwarz-weiß Abbildungen der Zeit geht es dem Autor aber auch um die veränderte Haltung zur Todesstrafe, die ab 1851 nicht mehr als öffentliche Volksbelustigung durchgeführt werden durfte.