Hebammen nehmen Ängste

Die kleine Lenneke mit ihrer Mutter Melanie Geintzer, die selbst Hebamme ist. Marzena Jasiak (r.) ist auch Hebamme und holte Lenneke auf die Welt.
Die kleine Lenneke mit ihrer Mutter Melanie Geintzer, die selbst Hebamme ist. Marzena Jasiak (r.) ist auch Hebamme und holte Lenneke auf die Welt.
Foto: Ulla Emig/ FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Betreuung von Schwangeren in privater Atmosphäre schafft Nähe. Beim Symposium stellt Evangelisches Krankenhaus Oberhauen Neuigkeiten vor.

Oberhausen.. Noch vor 100 Jahren war es für viele Frauen auch in Deutschland nicht ungewöhnlich, zwischen ihrem 20. und 40. Lebensjahr etwa alle zwei Jahre ein Baby zu bekommen. Heute ist die Geburt eines Kindes ein oftmals ein- oder vielleicht zweimaliges Ereignis im Leben einer Frau. Damals wie heute ist dabei die Unterstützung durch Hebammen gefragt.

Allein zum Geburtshilfe-Team im Evangelischen Krankenhaus Oberhausen (EKO) gehören 22 Hebammen. Sie begleiten die werdenden Mütter auf Wunsch durch die Schwangerschaft und stehen Mutter und Kind in den ersten Monaten nach der Geburt zur Seite.

Bedeutsamkeit der Hebamme

Das EKO hieß am Samstag über 500 Geburtshelferinnen aus dem ganzen Bundesgebiet in der Luise-Albertz-Halle willkommen, um ihnen beim Neujahrs-Symposium für Hebammen Neuigkeiten in ihrer Disziplin und aus angrenzenden Feldern der Medizin zu vermitteln.

Am Rande des Kongresses wurde deutlich, wie bedeutsam ihre Aufgabe auch im Zeitalter der Hochtechnologie ist. „Die Schwangerschaft ist eine absolute Ausnahmesituation im Leben einer Frau“, sagt Prof. Dr. Stephan Böhmer, Chefarzt der Frauenklinik am EKO. Damit seien natürlich viele Ängste verbunden. Die Teilnahme an den ärztlichen Vorsorge-Untersuchungen allein genüge meist nicht, um sie zu bewältigen.

Rundum-Check bei Hausbesuchen

Die Hebamme hat dabei gegenüber Ärztin oder Arzt einen Vorteil: Sie macht Hausbesuche, hält den Kontakt in der privaten Atmosphäre der Mutter. Dabei achtet die Geburtshelferin auf die Herztöne des Ungeborenen, kontrolliert den Blutdruck der Mutter, hat den Gehalt von Eiweiß, Keimen und Zucker im Urin im Blick und prüft die Lage und Entwicklung des Kindes.

„75 bis 80 Prozent aller Schwangerschaften verlaufen ja völlig normal“, sagt Hebamme Christina Krappe (36) aus Mülheim an der Ruhr. Nur bei drei bis fünf Prozent gibt es schwerwiegende Komplikationen. Die Anzeichen dafür rechtzeitig zu erkennen, ist eine ihrer Aufgaben.

Unterstützung bis zum Abstillen

Wenig hilfreich seien dabei Erlebnisse von Freundinnen oder Schilderungen in Internet-Foren, bei denen oft das Unheil beschworen werde. „Jede Geburt ist ein eigenes Ereignis“, sagt Frauen-Chefarzt Böhmer. „Man sollte unvoreingenommen herangehen.“ Dabei für ein Gefühl der Geborgenheit zu sorgen, sei einer der Jobs der Hebammen.

Ist das Baby erst zur Welt gekommen, geht es mit den Sorgen nahtlos weiter. Die Neugeboren schreien viel und wollen beruhigt werden. Sie verlieren in den ersten Tagen an Gewicht und können eine Gelbsucht bekommen. Auch das Stillen klappt meist erst nach ein paar Wochen reibungslos.

Christina Krappe beruhigt auch hier die jungen Mütter. „Der häufigste Satz, den ich dann sage, lautet: ,Das ist alles völlig normal.’“ Bis zum Abstillen, fünf bis sechs Monate nach der Geburt, hält die Hebamme den Kontakt.