Haydar Zorlu gestaltet Faust I auf Deutsch und Türkisch
19.01.2010 | 06:00 Uhr 2010-01-19T06:00:00+0100
Oberhausen. Der Schauspieler Haydar Zorlu, bekannt etwa aus "Tatort" oder "Ein Fall für Zwei" wird am Mittwoch, 20. Januar, um 19.30 Uhr seine Solo-Bearbeitung von Faust I auf die Bühne des Großen Hauses im Theater am Will-Quadflieg-Platz bringen. Zweisprachig. Auf Deutsch und Türkisch.
Sein Gesicht kennen Fernsehzuschauer aus etlichen Krimireihen vom „Tatort” bis zum „Fall für Zwei”, seit knapp vier Jahren kennt auch Österreich das Antlitz: Dort spielt Haydar Zorlu in der erfolgreichsten TV-Serie mit: „Oben ohne”, 30 vH Einschaltquote pro Folge. Vom Hauptschüler über den Kurzzeit-Jurastudenten zum TV-Star, das reicht dem 41-jährigen Deutsch-Türken nicht. Jetzt hat er Goethes „Faust I” als Solostück aufgelegt, er wird es am Oberhausener Theater - erstmals am Mittwoch, 20. Januar, um 19.30 Uhr im Großen Haus - in deutscher Sprache spielen, in der Türkei auch in Türkisch. Hier in Oberhausen ebenfalls, am 18. März.
Haydar ist so etwas wie ein Grenzgänger zwischen zwei Welten, die sich hier wie dort oft feindlich gegenüberstehen, die aus völlig unterschiedlichen Kulturen erwachsen sind und die der Schauspieler doch für so artverwandt hält. Er könne das beurteilen als jemand, der in der Türkei wie in Deutschland, in beiden Welten, aufgewachsen sei: Deutsche und Türken seien sich unglaublich ähnlich, beinahe deckungsgleich. Eine verwegene Position eines Mannes, der 1968 in Erzurum geboren wird, wo dereinst die Römer herrschten. Als Kind schon kommt er nach Deutschland, besucht hier die Grundschule, geht zurück in die Türkei, schließt dort die Grundschule ab, kommt wieder nach Deutschland und besucht in Köln eine Hauptschule.
Die geringsten Schwierigkeiten
Das Erlenen der deutschen Sprache, dies habe ihm die geringsten Schwierigkeiten bereitet, Goethes „Erlkönig” rezitiert er so gut, dass die Deutschlehrerin es immer wieder hören will. Haydar schafft die Qualifikation fürs Gymnasium und dann wird es hart. Der Weg zum Abitur ist dornenreich, die Gymnasiasten sind in Mathe, Englisch und Co weit voraus, der Deutsche-Türke oder türkisch-deutsche schafft das Abi in drei Jahren, beginnt ein Jurastudium. Spielt aber da auch weiter, wie an der Schule schon, Theater. Goethes „Werther” lernt er kennen, 1989 beginnt er, ohne entsprechende Ausbildung professionell als Schauspieler zu arbeiten.
Türkische Studenten sind es, die ihn zum „Faust” bringen, irgendwann sieht er bei den Juristen die legendäre Verfilmung mit Gustav Gründgens und Will Quadflieg, der Stoff lässt ihn nicht mehr los. Auch als er Soaps macht, zehn Jahre Anr(h)einer, Rollen in Serien spielt und so Geld zum Leben verdient,, er hat nicht die, aber den „Faust” immer im Kopf. Und irgendwann das Bedürfnis, Bühne zu machen, Theater. Haydar Zorlu, der seit rund 30 Jahren in Köln lebt und eine Wesensgemeinschaft mit Fatih Akin („Gegen die Wand”, „Solino”) hat, holt den „Faust” auf die Bretter.
Zehn Jahre dran gefeilt
Für die deutsche Version kein Problem, für die türkische hat er vor vier Jahren mit der Übersetzung begonnen, feilt seitdem an dem passenden Text, muss deutsche Worte, die es im Türkischen nicht gibt, mit Redewendungen oder Sprachbildern verständlich machen, Faust, Mephisto und Gretchen wird er sprechen oder sprechend gestalten, ein Werk, an dem er zehn Jahre gearbeitet, gefeilt hat, als er erst einmal den Mut gefunden hatte, sich an den gewaltigen Text zu trauen.
Die Bühne überlässt den Schauspieler seiner Darstellung, wenig Licht, eine Tasche, zwei Gläser, „aus denen ich trinken kann. Die Leute sollen Lust auf mehr bekommen. Ich finde die Verse jedes Mal, wenn ich sie lese, unbegreiflich.”

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