„Hartz IV hat viel Positives bewirkt“

Annette Gleibs ist Geschäftsführerin des Jobcenters Oberhausen.
Annette Gleibs ist Geschäftsführerin des Jobcenters Oberhausen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Annette Gleibs, Leiterin des Jobcenters in Oberhausen, zieht eine Bilanz. Als fatal bezeichnet sie die drastischen Mittelkürzung für Eingliederungen.

Oberhausen.. Als zum 1. Januar 2005 Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe für erwerbsfähige Hilfebedürftige zur Grundsicherung (Hartz IV) zusammengelegt wurden, versprach sich die rot-grüne Bundesregierung davon positive Wirkungen auf dem Arbeitsmarkt. Heute, zehn Jahre später, zeigt sich, dass sich die Zahl der Hilfeempfänger kaum verändert hat. Doch wäre es ohne die Reform besser gelaufen? „Das wissen wir nicht. Ich bin nicht nur euphorisch, es gibt Positives und Negatives“, sagt die Leiterin des Jobcenters Oberhausen, Annette Gleibs. Positive Wirkungen für die Empfänger sieht sie in etlichen Bereichen: „Die Beratungen erfolgen seitdem aus einer Hand.“

Alle arbeitsfähigen Hilfeberechtigten profitierten von den verschiedenen Arbeitsmarktprogrammen, wie etwa den Weiterbildungsangeboten. Arbeitslose erhielten umfangreiche Unterstützung und individuelle Beratung, wie etwa zu Möglichkeiten zur Kinderbetreuung. „Zudem haben wir uns spezialisiert, es gibt beispielsweise Teams für Selbstständige, für Unter-25-Jährige und Angebote für ältere Menschen.“ Auf arbeitsmarktpolitische Entwicklungen könne auch schneller reagiert werden als früher, etwa durch Teilzeitausbildung oder die Qualifizierung zur Altenpflege. Viele Instrumente könnten kombiniert werden, Weiterbildungsmaßnahmen und Eingliederungszuschüsse für Migranten etwa. Positiv sei auch das Bildungs- und Teilhabepaket, das bedürftigen Kindern bessere Chancen biete: Es gibt Zuschüsse für Nachhilfe, Musikschule, Sport, Mittagessen in Hort und Schule oder zu Klassenausflügen.

Umfangreiche Unterstützung

Was die Institution selbst betrifft, habe es zu Beginn der Reform eine erhebliche Fluktuation bei den Mitarbeitern gegeben – „42 Prozent hatten einst bei der Arge einen befristeten Arbeitsvertrag, heute im Jobcenter sind es nur noch 0,8 Prozent“. Eine der Folgen: „Die Zufriedenheit unserer Kunden hat deutlich zugenommen. Das wissen wir, weil sie regelmäßig abgefragt wird.“ Gleibs sieht allerdings auch Schattenseiten: Trotz der Zusammenlegung würden die Jobcenter-Mitarbeiter unterschiedlich bezahlt, je nachdem ob sie von der Arbeitsagentur oder der Kommune gestellt werden. Und trotz stetig steigender Anforderungen würde ihre Anzahl nicht hinreichend erhöht. Als fatal bezeichnet sie, dass der Etat für Eingliederungen seit 2010 von 25 Millionen Euro auf 14 Millionen Euro reduziert wurde. Das bedeutet: weniger Geld für Umschulungen, Teilqualifizierung (z.Bsp. Gabelstaplerführerschein), Gesundheitsmaßnahmen, Orientierungsmaßnahmen. Um dies aufzufangen, muss Gleibs ständig Mittel aus ihrem Verwaltungsetat in den Bereich Eingliederung umlenken.

Insgesamt stellt sie allerdings eine positive Bilanz auf: „Wir müssen aber weiter daran arbeiten.“