Handy-Skandal hätte eher auffallen müssen, meinen Leser

Engagiert stellten die WAZ-Leserbeiräte Fragen an die OB-Kandidaten Apostolos Tsalastras (li., SPD) und Daniel Schranz (CDU).
Engagiert stellten die WAZ-Leserbeiräte Fragen an die OB-Kandidaten Apostolos Tsalastras (li., SPD) und Daniel Schranz (CDU).
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
WAZ-Leserbeiräte in Oberhausen treffen die OB-Kandidaten Apostolos Tsalastras (SPD) und Daniel Schranz (CDU) und befragen sie zum Handy-Skandal.

Oberhausen.. Gelegenheit zur Begegnung und Diskussion mit den zwei Haupt-Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im September – Apostolos Tsalastras (SPD) und Daniel Schranz (CDU) – hatten die Mitglieder des WAZ-Leserbeirates. Sie fühlten den beiden Kommunalpolitikern, die sich für das höchste Amt in der Stadt bewerben, auf den Zahn. Auch mit unangenehmen Themen wie dem Handy-Skandal.

Leserbeirat Frank Hollmann brachte das Thema mit einem Vergleich zu seiner eigenen Arbeitswelt in die Runde. „Wenn ich etwas im Betrieb bestelle, muss mein Vorgesetzter sein Okay dazu geben“, meinte Hollmann, der in einem mittelständischen Unternehmen arbeitet. Ob nicht Hartmut Schmidt als Chef der Oberhausener Gebäudemanagement GmbH den Kopf für die Vorfälle in dem städtischen Tochterunternehmen hinhalten müsse – weil es an Kontrolle gemangelt habe?

Lücken im System der Telekom

Um das zu beurteilen, erklärte Apostolos Tsalastras, müssten die Untersuchungsergebnisse der Staatsanwaltschaft, des beauftragen Wirtschaftsprüfungsunternehmens und der Rechnungsprüfung abgewartet werden. Wenn es so gewesen sei, dass die Vorgänge nicht bis in die Geschäftsführung gelangen konnten, weil die Verantwortung dafür in einem begrenzten Abteilungsbereich lag, dann könne die Geschäftsführung auch nicht dafür herangezogen werden. „Wenn es sich aber um ein totales Organisationsversagen handelt, weil es gar keine Kontrolle gab, dann ist auch die Spitze zur Verantwortung zu ziehen“, sagte Tsalastras gegenüber den Leserbeiräten.

Der SPD-Kandidat wies darauf hin, dass im System der Telekom offenbar Lücken seien, die einen Missbrauch leicht gemacht hätten. Wenn dann jemand „kriminelle Energien entwickelt, ist man davor nicht gefeit“. Die Frage sei, wie „wir uns davor künftig schützen“.

Aber angesichts der Menge der bestellten Handys – hätte das nicht viel eher auffallen müssen, wollte die Leserbeirats-Runde wissen. In diese Kerbe schlug auch Daniel Schranz, der von einem „Totalversagen“ bei der Kontrolle sprach. „Bei über 3000 Geräten müssen pro Tag ungefähr fünf Geräte in der Poststelle eingegangen sein – und da hat niemand ein Störgefühl entwickelt?“, wundert sich Schranz. Der CDU-Mann kritisierte zudem, dass die Stadt die Aufklärung des Skandals verzögere. Empört hielt dem Tsalastras entgegen, dass sofort nach Bekanntwerden des Verdachts gehandelt worden sei.