Handwerkszeug für den Eiertanz
04.01.2012 | 12:58 Uhr 2012-01-04T12:58:00+0100
Oberhausen.Früher war es ein regelrechter Eiertanz. Tim Krüßmann erinnert sich, wie er auf der Suche nach geeigneten Händlern für sein liebstes Hobby lange suchen musste. „Das war gar nicht so einfach!“, sagt er. Da der begeisterte Footballspieler die Not um den US-Kultsport in Deutschland schnell erkannte, nahm er das Heft selbst in die Hand und eröffnete ein passendes Fachgeschäft - eine echte Rarität!
Selbst drei Jahre nach dem Einzug in das Ladenlokal an der Schmachtendorfer Straße kann man in Nordrhein-Westfalen vergleichbare Läden an einer Hand abzählen. „Früher gab es außer dem Internet wenig Alternativen.“ Dabei liegt der Vorteil eines Fachgeschäftes für die starken Männer auf der Hand. „Bei uns kann man die Ausrüstung auch anprobieren und sich bei den Stücken beraten lassen.“
Anpassung vor Ort
Helme, Schulterpolster, Trikots und Bälle reihen sich in den Regalen aneinander. Gerade bei der kostspieligen Ausrüstung ist der korrekte Komfort wichtig. Beispiel: Helm. Damit später bei harten Aufprall-Aktionen selbst Dickschädel keinen unerwünschten Schaden nehmen, lässt sich die Passform durch eigens eingebaute Luftpolster einstellen. „Wir passen das vor Ort an. Dafür benötigt man spezielles Werkzeug, eine geeignete Pumpe.“
Natürlich gibt es für die Football-Sportler bestimmte Marken, die besonders angesagt sind. „Riddell“ beispielsweise, die auch in der US-Profiliga „NFL“ verwendet wird. Ein Helm kostet im gebrauchten Zustand rund 100 Euro. In der mittleren Preisklasse muss man bereits mehr als 200 Euro auf den Tisch legen. Gemeinsam mit Trikot, Shoulderpad, Mundschutz und Polstersatz kommt man schnell auf 400 bis 500 Euro. Eine nicht unerhebliche Investition, die sich auf dem Feld jedoch auszahlt. „Viele Stücke sind im Reglement vorgeschrieben und sollten von guter Qualität sein.“ Schließlich soll beim körperbetonten Spiel die Sicherheit stets gewährleistet bleiben.
Taktisch geprägter Sport
Doch nicht nur starke Männer kommen in den Laden, sondern auch schlanke Mädels. Tim Krüßmann, der noch eine Angestellte hat, bedient die komplette Football-Familie. So kaufen die Cheerleader hier ihre Ausrüstung: lässige Trainingsanzüge, spezielle Hosen oder Pompons.
Hier finden Sie die Serien der Lokalredaktionen in der Übersicht, zum Beispiel alle "Läden mit Pfiff", Porträts der Reihe "Menschen in O." und alle Stadtteil-Rundgänge.
Die Kundschaft kommt auch von weiter her. Schätzt das persönliche Gespräch - oder eine Runde fachsimpeln. Im Umfeld von Oberhausen gibt es viele Vereine, aber in der Stadt selber kurioserweise nicht. „Ich habe schon überlegt, so etwas vielleicht noch einmal anzustoßen“, sagt Tim Krüßmann. Zukunftsmusik!
Wird die amerikanische Sportart in Deutschland überhaupt so recht verstanden? „Es ist schwierig, weil viele die Regeln nicht kennen und es häufig Unterbrechungen gibt. Doch wenn man durchblickt, ist es ein taktisch geprägter und spannender Sport!“

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