Haftpflicht selbstständiger Hebammen gestiegen

Charlotte Joussen aus Essen ist mit 23 Jahren eine der jüngsten Beleg-Hebammen am EKO. Sie ist freiberuflich tätig. „Ohne Arbeit im Team im Geburtshaus ist die freiberufliche Existenz als Hebamme heute kaum noch möglich“, sagt sie. Zusammen mit mehreren Kolleginnen bietet sie Schwangeren in einem Geburtshaus in Essen Vorsorge und Betreuung an und führt dort auch Entbindungen durch. Treten Komplikationen auf, steht sie der Mutter als Beleg-Hebamme im EKO zur Seite.

Alleine 6000 Euro im Jahr muss Joussen für ihre Hebammen-Haftpflichtversicherung aufbringen. „Noch vor wenigen Jahren lag der Satz bei 3500 Euro“, sagt sie. Zum Jahreswechsel habe es eine Steigerung von 23 Prozent gegeben. Jeweils rund 500 Euro monatlich fallen bei ihr also für die Haftpflicht, sowie die eigene Kranken- und Rentenversicherung an. Macht zusammen 1500 Euro. „Eine Beleggeburt kann aber nur mit 260 Euro abgerechnet werden“, rechnet die Hebamme gegen.

Bei einer außerklinischen Geburt im Geburtshaus seien es dagegen 700 bis 1000 Euro. Natürlich könnten auch Vor- und Nachsorge mit den Krankenkassen abgerechnet werden. Ein Hausbesuch schlage dabei mit 31 Euro zu Buche.

Lebenslange Zahlungen bei Schaden

„Das Haftungsrisiko ist bei Geburtsfehlern am höchsten und deshalb so kostspielig“, sagt Prof. Dr. Stephan Böhmer, „weil dafür lebenslang gezahlt wird. Im Durchschnitt zwei bis drei Millionen Euro pro Fall.“

Der Anstieg der Versicherungsbeiträge in den letzten Jahre liege aber nicht daran, dass Ärzte und Hebammen immer häufiger Fehler machten, sondern dass die moderne Medizin den geschädigten Kindern eine immer höhere Lebenserwartung ermögliche. Zu den Kosten gehörten die Heimpflege, Krankengymnastik oder der Verdienstausfall der Eltern. Typische Notsituationen seien Sauerstoffmangel bei der Geburt oder die Entwicklung einer Gelbsucht.