Guttempler-Gruppe hilft Süchtigen zurück ins Leben

Cäcilie und Herbert Hoffmann sowie Monika Korbar (von links) leiten die Guttempler-Gruppe „Die Insel“ in deren Jubiläumsjahr.
Cäcilie und Herbert Hoffmann sowie Monika Korbar (von links) leiten die Guttempler-Gruppe „Die Insel“ in deren Jubiläumsjahr.
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Cäcilie Hoffmann ist Vorsitzende der Guttempler Oberhausen-Sterkrade „Die Insel“. Die Selbsthilfegruppe setzt sich seit 25 Jahren mit Süchten auseinander. Doch sie plagen Sorgen über Mitgliederschwund.

Oberhausen.. Durch Angstzustände und Depressionen ist Cäcilie Hoffmann in die Alkoholsucht geraten. In der Entgiftungsklinik vermittelte ihr eine Krankenschwester den Kontakt zu den Guttemplern. Die internationale Organisation hilft Menschen, die in Abhängigkeit von Alkohol und Arzneimitteln geraten sind. „Das war meine Rettung“, sagt Cäcilie Hoffmann heute, 33 Jahre danach. Sie ist der Gemeinschaft treu geblieben, inzwischen als Vorsitzende der Guttempler-Gruppe Oberhausen-Sterkrade, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiert.

Seit mehr als 50 Jahren schon sind die Guttempler in Oberhausen aktiv, zunächst in der Gemeinschaft Westmark. Als Cäcilie Hoffmann hinzustößt, sind sie fast 70 Betroffene. Es wird eng und es fällt der Beschluss, eine zweite Gruppe zu schaffen.

Diese braucht auch einen eigenen Namen, „einen mit Sinn“, wie Hoffmann sich erinnert. Die Treffen finden in Räumen an der Inselstraße in Sterkrade statt, weshalb man sich auf „Die Insel“ einigt. „Suchtkranke brauchen Geborgenheit und Ruhe – was liegt da näher als eine Insel?“

Guttempler-Prinzip: Der Partner muss mitmachen

Auch Monika Korbar, die für die Öffentlichkeitsarbeit der „Insel“- Gruppe zuständig ist, und Kassierer Herbert Hoffmann sind von Anfang an mit dabei. Anders als Cäcilie Hoffmann jedoch nicht als Suchtkranke, sondern als Angehörige. Ein wichtiger Punkt, der die Guttempler von anderen Selbsthilfeorganisationen unterscheide. Das Versprechen, nicht mehr zu trinken und auch andere nicht dazu zu verleiten, haben sie alle drei feierlich vor allen anderen abgegeben.

„Manche haben dafür kein Verständnis“, sagt Monika Korbar. Immer wieder sei die 69-Jährige dazu gedrängt worden, „doch ein kleines Gläschen“ mitzutrinken. Doch für sie steht ebenso fest wie für Herbert Hoffmann, Cäcilie Hoffmanns Ehemann: „Der Partner muss mitmachen. Das bringt sonst nix.“

„Wenn mein Mann nicht hinter mir gestanden hätte“, bestätigt Cäcilie Hoffmann, „dann hätte ich es nicht geschafft.“

Und auch für ihn gehören die wöchentlichen Treffen bei den Guttemplern längst zum Familienleben. „Wenn ich mal einen Donnerstag nicht kann, dann fehlt mir was“, sagt er schmunzelnd.

Gefahr für eine Sucht sei heute höher

Insgesamt jedoch sei die Gruppe im 25. Jahr ihres Bestehens arg vom Teilnehmerschwund gezeichnet. Dabei glaubt Cäcilie Hoffmann, dass die Voraussetzungen für Süchte heute „besser“ denn je sind: „Stress, Überforderung, bei Jugendlichen Neugierde, Langeweile, Zukunftsangst.“ Sie selbst habe mit 18 das erste Glas getrunken und schon bald gemerkt, dass der Alkohol ihr über schlechte Stimmungen hinweghalf und Nervosität vertrieb. Vermeintlich zumindest: „Der Alkohol ist erst dein Freund – bis er dich besiegt.“

Heute könne man locker darüber reden, suchtkrank zu sein, findet Cäcilie Hoffmann. „Damals war das beschämend, zumal für eine Frau.“ Umso weniger verstehe die 61-Jährige, dass viele den Weg in die Selbsthilfegruppe meiden. Sie glaubt, dass oftmals die Einsicht fehle, ernsthaft abhängig zu sein. „Manche haben Haus und Hof versoffen, das muss man ehrlich so sagen. Sie wollen das aber nicht hören.“

Doch auch wenn sie die Schwellenangst verstehe, gelte der eine Grundsatz, den sie allen Betroffenen mit auf den Weg geben will: „Nur du alleine kannst es schaffen. Aber alleine schaffst du es nie.“