Großes Polizeiaufgebot am Gericht

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Wer am Mittwoch zur Verhandlung gegen Hells Angels Ramin Y. wollte, der musste sich nicht nur am Eingang des Amtsgerichtes kontrollieren lassen – wie üblich. Verschärfte Kontrollen gab es noch mal am Flur zum Verhandlungssaal. Weil man auch mit Rockerkollegen des 26-Jährigen gerechnet hatte, war eine große Anzahl an Polizisten im Einsatz.

Doch die Rocker blieben aus. Ramin Y. schaffte die Verhandlung auch allein mit seinen beiden Rechtsanwälten Wolf Bonn und Carsten Heinen. Bonn über den arbeitslosen Präsidenten der Hells Angels Mönchengladbach: „Er macht zurzeit ein Orientierungspraktikum in einem Geschäft für Unterhaltungselektronik mit der Aussicht, übernommen zu werden.“ Vorher habe er sich zum Tankwart ausbilden lassen wollen, die Ausbildung aber abgebrochen. Auf die Frage Richter Kunzes, warum er abgebrochen habe, antwortete Bonn: Ihr Mandant gehöre zu den Hells Angels, da sei auch öfter mal die Polizei bei ihm aufgetaucht und das sei dem Tankstellenbetreiber zu aufregend gewesen.

In gewisser Weise aufregend und wohl aufreibend für den Richter war die Aussage des mittlerweile ehemaligen Bandidos, den Ramin Y. vom Motorrad getreten haben soll. Jede Frage des Richters beantwortete er mit einer Gegenfrage. „Was soll ich Ihnen erzählen, Sie wissen doch alles.“ Oder: „Ist doch gut, wenn ich nichts weiß, dann muss ich bei den Bullen nicht lügen.“ Darauf der Richter: „Bullen sagen wir hier nicht, da sitzen ganz schön viele Polizeibeamte hinter ihnen, die könnten sich beleidigt fühlen.“ Der Zeuge darauf: „Das ist mir scheißegal.“ Oder „dankbar“ zur ersten Hilfe des Autofahrers: „Jetzt wollen wir hier mal keine Ritterkreuze verteilen.“

Nach den Aussagen der Zeugen, dann eine überraschende Wende: Die Verteidiger erklärten, ihr Mandant könne gar nicht der Täter gewesen sein. Er sei zur Tatzeit bei der „No Mercy Fight Night“ in einer Disco gewesen. Dafür gebe es mehrere Zeugen, andere Hells Angels. Die sollen nun noch gehört werden. Überraschend auch, wie die Polizei von einem Vorfall mit Rockern auf der Konrad-Adenauer-Allee erfuhr. Bei einer Telefonüberwachung gegen Rocker wegen Rauschgiftdelikten war eine SMS abgefangen worden, in der ein Bandido einen anderen über den Übergriff informierte. Das schilderte Ralf Weyer, Leiter des Kommissariates für Organisierte Kriminalität. Dazu erklärten die Anwälte, dass die Bandidos, die von den Abhöraktionen wüssten, wohl gezielt ihren Mandanten angeschwärzt hätten.

Die Verhandlung wird am 18. Februar fortgesetzt.