Grönemeyer rockt mit Reviercharme

Foto: Volker Hartmann

Herbert Grönemeyer hat seine neue Platte erstmals im Revier vorgestellt: Am Donnerstag spielte er beim Konzert in Oberhausen eine extra lange Zugabe.

Herbert Grönemeyer ist viel unterwegs. Dauernd jetzt. Seine Tour führte ihn am Donnerstag in eine ausverkaufte Oberhausener König-Pilsener-Arena. Ein wuseliges Konzert, nicht gerade zum Hinsetzen geeignet. In den Schlummer-Modus schaltete der 59-jährige Sänger in üppigen 150 Konzertminuten zu keiner Zeit.

Als seine Feuerzeug-Ballade „Der Weg“ die ausverkaufte Halle erreicht, ist es um die 11 000 Fans längst geschehen: „Herbie“ spult nicht ab, er dreht auf. Grönemeyer erzählt mit einem Augenzwinkern ganz schmunzelgerecht sogar von seinen Tanzfertigkeiten: „Ich bin anmutig, weich in der Hüfte und sehr geschmeidig.“

Es sind keine festgefahrenen Pfade, die der in Göttingen geborene, aber in Bochum aufgewachsene Sänger betritt. Seine Songs, die er häufig wie einen Lageplan des Lebens zeichnet, dienen als Navigationshilfe durch ein temporeiches und kurzweiliges Konzert.

Die umjubelten Klassiker wie „Männer“, „Alkohol“ oder „Was soll das?“ weichen kaum von der Plattennorm ab, werden durch eine siebenköpfige Band angereichert und mit Soli veredelt. Die Musiker kommen mit am Kopf befestigten Grubenleuchten auf die Bühne und eröffnen den Reigen mit viel Revier-Affinität. So etwas hat Charme, liegt das Gelände der ehemaligen Zeche Osterfeld von der Konzertstätte in der Neuen Mitte fast in Hörweite entfernt.

„Willkommen im Ruhrgebiet!"

Zum ersten Mal spielt Grönemeyer Songs seines neuen Albums „Dauernd jetzt“ im Revier. Den Spaß sieht man ihm an. Wenn er die 11 000 Fans in Oberhausen mit „Willkommen, Ruhrgebiet!“ begrüßt, passt das stimmig ins Bild. Sicher auch, dass er bei „Bochum“ die Passage „Du bist keine Weltstadt“ um die Zeile „...und Oberhausen genauso“ erweitert. Einige VfL-Schals schwenken um den Bühnensteg im Innenraum. Am 19. und 20. Juni wird Grönemeyer in Bochum seine Konzert-Heimspiele im Stadion an der Castroper Straße feiern.

Dass unter den Fans offenbar auch einige Grönemeyer-Anfänger mitwippen, zeigen die wenigen Anhänger, die nach gut 90 Minuten und dem ersten „Tschüss“ des Protagonisten tatsächlich schon den Ausgang ansteuern. Sie verpassen eine volle Stunde Zugaben und den umjubelten Konfettiregen zum Abschluss.