Griechin erzählt in Oberhausen vom Leben in ihrem Land

Die Eltern betreiben in Schmachtendorf den Imbiss „Kochpott“. Von links: Christodoula Gidari, Antonios Karipoglou, Christodoula Karipoglou, Alexandra Gidari undKaterina Karipoglou.
Die Eltern betreiben in Schmachtendorf den Imbiss „Kochpott“. Von links: Christodoula Gidari, Antonios Karipoglou, Christodoula Karipoglou, Alexandra Gidari undKaterina Karipoglou.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Griechen haben in ihrer Heimat keine Hoffnung auf Besserung mehr. Es gibt kaum Arbeit, die Löhne sind niedrig.

Oberhausen.. Tragisch findet Antonios Karipoglou, dass die Menschen hinter der Krise in Griechenland so selten ein Gesicht bekommen. Wie es ihnen geht, wie sie in einem Staat kurz vor der Pleite leben: „Wo wird das gezeigt?“ Der Unternehmensberater schildert, was in Griechenland los ist. Er spricht von der extrem hohen Kindersterblichkeitsrate. Er erzählt von den Eltern, die ihre Kinder in SOS-Kinderdörfer bringen, weil sie nichts mehr zu essen für sie haben. Und von den Leuten, die sich nicht zum Arzt trauen, da sie aus Geldmangel keine Krankenversicherung mehr haben.

Direkt dran am Leben in diesem gebeutelten Staat ist Antonios Karipoglous Schwester Katerina Karipoglous, die gerade zu Besuch in Oberhausen ist. In Deutschland aufgewachsen zog die Architektin später der Liebe wegen wieder nach Griechenland. Jetzt lebt sie mit Mann und zwei Kindern 20 Autominuten von Thessaloniki entfernt. Die Mutter ernährt die Familie. Ihr Mann hatte für die Großindustrie gearbeitet. Sein Unternehmen schloss. Arbeitslosengeld gebe es ein Jahr, danach keinerlei Hilfen zum Leben mehr.

Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer

„In Griechenland wird auch nicht mehr gebaut“, bedauert Katerina Karipoglous. Als Architektin bleibt ihr somit nur, statische Gutachten zu erstellen oder Renovierungsarbeiten. Sie sagt: „Ich arbeite den ganzen Tag und wünsche mir ein wenig Wohlstand, keine großen Reisen, höchstens mal einen Kinobesuch mit der Familie.“ Doch das könnten sie sich nicht leisten. Was in Griechenland immer bezahlt werden müsse für Kinder, die zum Gymnasium gehen, seien extrem teure Nachhilfestunden. Auch für gute Schüler, die nur so den schweren Stoff bewältigen könnten.

„Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer“, sagt die Griechin. Leute mit Geld hätten es beizeiten ins Ausland gebracht. Die Mindestrente für einen Rentner betrage dagegen 370 Euro. Eine Verkäuferin verdiene 300 bis 400 Euro und müsse dafür auch samstags und abends arbeiten. „Akademiker und Angestellte sind froh, wenn sie 600, 700 Euro bekommen“, erzählt Katerina Karipoglous. Dabei seien die Lebensmittel genauso teuer wie in Deutschland. Mieten zahlen die Leute einfach nicht. „Viele Menschen ziehen auch zu ihren Eltern oder zu Verwandten aufs Land, wo man noch eigene Häuser hat“, sagt Katerina Karipoglous.

Die Menschen verheizen Möbel

Weil die Menschen nicht nur die Miete, sondern auch den Strom nicht mehr bezahlen können, verheizten sie im Winter Möbel in ihren Öfen. Viele starben an Kohlenmonoxidvergiftungen. Oder: „Eine Menge Autos fahren ohne Versicherung“, erzählt Katerina Karipoglous. In Griechenland brauche man ein Auto, aber für die Versicherung sei eben kein Geld da.

Während es der Agrarindustrie, einem Standbein Griechenlands, schlecht ginge, blühe das zweite Standbein, der Tourismus. Aber auch hier habe der Ausverkauf bereits begonnen. „In Chalkidiki haben fast alles die Russen aufgekauft“, sagt Katerina Karipoglous über eine besonders schöne Region.

„Es gibt keine Hoffnung auf Besserung“, sagt Katerina Karipoglou. Das Land sei ein Pulverfass, spielt sie auch auf eine plötzlich hohe Zahl Rechtsradikaler an.