Gierig nach Lirich
11.06.2007 | 13:35 Uhr 2007-06-11T13:35:30+0200Vorbereitung fürs Außenprojekt des Theaters nimmt konkrete Formen an: Mittwoch sind Bürger ins Stadtteilbüro eingeladen, mit Familiengeschichten und Fotos von Festen und Feiern. Es wird spannend
"Wir sind auch gespannt, wie sich unser Büro mal ganz anders präsentiert." Eine gewisse Vorfreude kann Uwe Wilzewski, Hausherr des Stadtteilbüros an der Wilmstraße 47, nicht verbergen. Es wird spannend, wenn sich die Anlaufstelle für Liricher Bürger am kommenden Mittwoch, 13. Juni, zum Projekt "Offenes Wohnen eins" in eine Ideenschmiede für ein Theaterstück verwandelt. Von 11 bis 22 Uhr erwarten Dramaturgin Simone Kranz und Regisseur Harald Demmer Geschichten, genauer: Familiengeschichten. "Die sind immer interessant und besonders geeignet, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen", sagt Simone Kranz. Ob Geburtstag, Hochzeit oder religiöser Anlass - alles sei willkommen, was die Liricher, ob Alt-Eingesessener oder Neuzuwanderer, zu berichten haben. Denn: Diesmal sind es ihre Erlebnisse, aus denen das Theater eine Inszenierung baut. Das Besondere: Liricher bauen und planen mit und sie spielen mit, erklimmen zusammen mit Profi-Schauspielern die Bretter, die bekanntlich die Welt bedeuten - mitten im eigenen Stadtteil: Premiere ist am 16. Mai 2008 im Babcock-Hochhaus an der Duisburger Straße.
Nachdem Demmer Schillers Räuber zusammen mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund so erfolgreich auf die Rampe im Zentrum Altenberg gebracht hatte, war schnell klar, dass ein Folge-Außenprojekt wieder Menschen unterschiedlicher Kulturen einbeziehen sollte. Ein Ort wie Lirich, in den seit 1945 Menschen aus unterschiedlichen Ländern kamen, "gierig, sich eine bessere Existenz aufzubauen", wie Simone Kranz betont, ist dafür bestens geeignet. Das erklärt den Titel des Projekts: Gierig nach Lirich.
Außerdem: "Wir haben viele Urgesteine, die etwas zu erzählen haben", so Josef Loege, Vorsitzender des Beirates Lirich. Er selbst gehört auch dazu, ist als Junge im Kanal unter Schiffen hergetaucht und hat natürlich auch heute verbotene Brückensprung-Erfahrung. Er ist sicher: Die Theaterleute werden Leute finden, die bereit sind mitzumachen.
Das sieht Ercan Telli vom Migrationsrat ähnlich. "Es gibt hier eine gut funktionierende interkulturelle Szene. Zwar spielt die Stadtentwicklung eine bedeutende Rolle, dennoch: "Es wird kein Heimatabend", betont Simone Kranz. Emotionale Verknüpfungen mit dem, was der Strukturwandel macht, seien jedoch wichtig.

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