Gierig nach Geschichten
11.06.2007 | 12:55 Uhr 2007-06-11T12:55:38+0200BÜHNE. Dramaturgin und Regisseur suchen Liricher Dönekes für eine Stadttheaterproduktion.
Auf der politischen Bühne hat Josef Loege viel erreicht: Der Sozialdemokrat ist Bezirksvorsteher von Alt-Oberhausen und als Vorsitzender des Beirates Lirich so etwas wie der Bürgermeister des Stadtteils. Vielleicht kommt ja nun auch die Theaterbühne hinzu? Das Theater jedenfalls plant ein so genanntes "Außenprojekt", und bei dem könnten sich auch Liricher auf den Brettern wiederfinden, die die Welt bedeuten. Bei "Gierig nach Lirich" geht's um Geschichte und Geschichten aus dem Stadtteil. Und da hat Josef Loege natürlich eine Menge "Dönekes" zu erzählen.
Die Idee ist längst da, Kooperationspartner fürs Projekt sind auch schon gefunden, "was uns jetzt fehlt, sind die Geschichten", sagt Simone Kranz. Geschichten wollen die Dramaturgin und der Regisseur Harald Demmer morgen einen ganzen Tag lang sammeln. Das Stadtteilbüro an der Wilmsstraße 47 wird deshalb von 10 bis 22 Uhr zum Wohnzimmer, in dem sie die Liricher empfangen. Per Handzettel wurden die schon informiert, dass sie ein Foto von einem Familienfest mitbringen sollten, denn sie habe die Erfahrung gemacht, dass man darüber gut ins Gespräch komme, sagt Kranz. Der Termin soll ein Startpunkt sein, bis zur Premiere des noch zu schreibenden Stücks werde rund ein Jahr vergehen.
Inhaltlich soll es um Migration und den Strukturwandel im Stadtteil zwischen Zeche Concordia und dem Bero-Zentrum, Babcock und dem neu entstandenen Industrie- und Technologie-Gewerbepark gehen. Ein Thema, das die Dramaturgin und der Regisseur aus dem Katalog zur Ausstellung "Lirichs Geschichte entdecken" herauslasen. Das Stück solle aber "kein Heimatkundeabend" werden, betont Kranz, sondern zeigen, was Heimat den hierhergezogenen Menschen bedeute.
Kulturdezernent Apostolos Tsalastras meint deshalb, das Projekt sei "ein sehr schöner Auftakt mit Blick auf 2010", das Kulturhauptstadtjahr. Ercan Telli vom Migrationsrat weiß, dass es "eine sehr gut funktionierende interkulturelle Szene" gibt und wünscht sich noch mehr Berührungspunkte mit städtischen Kultureinrichtungen - und ständige Angebote. Simone Kranz will erst mal mit den Lirchern über die Familienbilder "schwadronieren" und dann sehen, wer mitspielt. Vielleicht geht ja auch Josef Loege mal hin. . .GIERIG NACH LIRICHBei "Gierig nach Lirich" soll bis Mai 2008 ein Stück über Heimat und Fremde in Lirich entstehen. Das Theater wird von Stadtteilbüro, Ruhrwerkstatt, Migrationsrat und der Dazzle Group unterstützt. Letztere stellt Räume im ehemaligen Babcock-Hochhaus 2 an der Duisburger Straße zur Verfügung. Die Dramaturgin und der Regisseur arbeiteten schon beim Theaterprojekt "Die Räuber. Featuring Schiller" zusammen.

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