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Geschwister voller Tatendrang

07.01.2008 | 19:26 Uhr

Carmen und Daniel Ringelings haben sich selbstständig gemacht und ein Pflegeheim eröffnet.Harte Zeit mit Neubau, Studium und Pflegedienst. Das Ergebnis der Mühen ist "Haus Isabel"

Sie weiß über jeden etwas zu erzählen. All die Geschichten, die jeden der 45 Bewohner des Alten- und Pflegeheims "Isabel" in Oberhausen so besonders machen, kennt Carmen Ringelings. Schließlich sind es die Bewohner ihres Heimes. Gemeinsam mit dem fünf Jahre jüngeren Bruder Daniel gründete die 30-Jährige es vor einem Jahr. Dafür nahmen sie sogar einen Millionen-Kredit auf.

Die Selbstständigkeit ist für viele Menschen das Ziel ihres Berufslebens. Immer mehr Mutige wählen deshalb den Weg in die Unabhängigkeit, um endlich ihr eigener Chef zu sein. Die Eltern hatten früher auch schon ein Heim.

Nach der Ausbildung zur Krankenschwester gründete die heutige Heimchefin einen ambulanten Pflegedienst. "Das war total naiv. Aber letztendlich hat es funktioniert", sagt Ringelings heute. Die damals 23-Jährige kaufte zwei Autos, stellte zwei Krankenschwestern ein und versorgte zunächst vier bis fünf Patienten. "Irgendwann hat sich dann für meinen Bruder und mich die Frage gestellt, ob wir das Heim unserer Eltern übernehmen oder uns etwas Eigenes aufbauen."

Das greifbare Ergebnis dieser Überlegung sind 2333 Quadratmeter im Klaumer Bruch in Oberhausen. Auch ihr Bruder Daniel, der zu dieser Zeit schon sein BWL-Studium aufgenommen hatte, begeisterte sich immer mehr für die Idee vom eigenen Unternehmen.

Vor vier Jahren wurden die Gedanken dann konkreter. 2004 ging es an die Planung und im darauf folgenden Jahr begann der Bau. "Die erste Zeit war wirklich hart. Wir haben teilweise bis zu zwölf Stunden gearbeitet", erzählt die Oberhausenerin. "Bei so einem großen Projekt schläft man nachts auch schon mal schlecht, weil man Angst hat, dass etwas nicht klappen könnte", ergänzt der Bruder, der manchmal sogar Nachtwachen in dem Rohbau geschoben hat. Doch all die Sorgen verflogen. 2006 war das "Haus Isabel", welches nach der Mutter der Geschwister benannt ist, bezugsfertig.

Allerdings war das Pflegeheim nicht die einzige Baustelle in Carmen Ringelings Leben. Denn während der gesamten Zeit der Fertigstellung arbeitete sie weiterhin im ambulanten Pflegedienst und - als wäre das nicht schon genug - absolvierte an der Fernuni Hamburg noch ein BWL-Studium. "Meine Mutter hat uns gesagt, dass man alles erreicht, wenn man es nur will." Womit sie nicht ganz Unrecht hat. Mit ihrer Erfahrung steht sie ihren Kindern stets mit Rat und Tat zur Seite und arbeitet selbst auch in dem Heim mit.

Zwar hat das Privatleben mitunter etwas gelitten, doch mittlerweile hat sich der Alltag der beiden normalisiert. "Und es läuft besser, als wir uns das vorgestellt hatten", lautet die Einschätzung der Geschwister. Alle Betten sind belegt - das Heim genießt einen guten Ruf. Was nicht zuletzt daran liegt, dass die beiden sogar einen eigenen Catering-Service für das Haus haben, der auch die 100 ambulanten Patienten versorgt. "Das ist ein Qualitätsmerkmal", hört man ein wenig Stolz aus der Stimme von Carmen Ringelings. Ihr Bruder Daniel möchte sich nun nach seinem Diplom noch mehr in den Betrieb einbringen: "Ich setzte mich bereits mit dem Verwaltungsrechnungswesen und Controlling auseinander", erzählt der Chef von 68 Angestellten.

Und wer denkt, die beiden würden sich jetzt zufrieden zurücklehnen, liegt komplett daneben. Denn das Geschwisterpaar denkt schon darüber nach zu expandieren. Schließlich muss man "immer am Ball bleiben, um die Qualität hochzuhalten", stecken Carmen und Daniel Ringelings noch voller Tatendrang.

Von Katharina Paris

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