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Geriatrie: Mehr als nur Betüddeln

28.10.2010 | 18:18 Uhr
Geriatrie: Mehr als nur Betüddeln
Gute Stimmung herrscht bei (v.l.) Irma Tobey , Gerda Oberste Hetbleck , Schwester Anica Berger und Heinrich Wessel in der geriatrischen Tagesklinik des EKO. Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.„Gymnastikabteilung für Alte“, „Altenheim unter ärztlicher Leitung“ – Dr. Xaver Suenkeler hat schon viele Vorurteile über seine Abteilung gehört. Der Geriater behandelt im Evangelischen Krankenhaus Oberhausen (EKO) betagte Menschen, die unter mehreren Krankheiten leiden und dadurch eingeschränkt sind. Was sie zu geriatrischen Patienten macht. Geriatrie sei deutlich mehr als Betüddeln, erklärt er. Die Altenheilkunde ist auch Thema des nächsten WAZ-Medizinforums am Montag, 8. November.

„Viele meinen, in der Geriatrie laufen nur Verwirrte herum, aber das stimmt nicht. Das ist nur unser negatives Altersbild, was sich darin spiegelt“, glaubt der Chefarzt der Klinik für Geriatrie im EKO. Sein Fachgebiet sei mit 21 Jahren ein recht junges und auch deswegen nicht so anerkannt wie andere. Dabei sei der Ansatz ein breiter: „Wenn jemand zum Beispiel gestürzt ist, dann suchen wir vor allem die Ursache, warum es dazu gekommen ist.“ Hinter mancher Hinfälligkeit stecke eine Vielzahl von Erkrankungen, etwa Nervenschäden durch eine Zuckerkrankheit, eine Muskelschwäche, Herzerkrankungen oder auch Veränderungen im Gehirn und eine schlechte Sehfähigkeit. Statt nur die Wunde oder den Knochenbruch zu behandeln, gehe die Geriatrie der Sache auf den Grund. Dann werde etwa ein entgleister Blutzucker oder Bluthochdruck richtig „eingestellt“ oder eine Parkinson-Erkrankung behandelt, eine korrekte Sehhilfe organisiert, während der Patient mit Reha-Maßnahmen fit gemacht wird.

Suenkeler beschreibt das Ziel seiner Abteilung so: „Es geht weniger darum, wie alt man wird, sondern wie man alt wird.“

Edith Mederer ist eine seiner Patientinnen. Sie war an der Hüfte operiert worden und ist nun in der geriatrischen Tagesklinik, um den Weg zurück in den Alltag zu meistern. „Erst wollte ich nicht her, aber jetzt bin ich sehr zufrieden. Ich mache Krankengymnastik und zu Hause soll ich auch ein Pflaster bekommen, damit der Kopf wieder klar wird“, erzählt die 79-Jährige. Vor ihr auf dem Tisch steht ein Pappschild, auf dem steht: „Ich will!“ „Wissen Sie, ich hatte immer was zu tun. Als ich dann hier im Krankenhaus war, war mein Kopf wie leer.“

Viele der Patienten, die in einer Geriatrie ankommen, sind entweder gestürzt oder sie zeigen Symptome einer Altersverwirrtheit. Dabei müsse man genau hinschauen, wie Suenkeler betont: „Es gibt einige Krankheiten, die Demenz-Symptome auslösen. Schilddrüsen-Probleme etwa, ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure, eine bakterielle Infektion.“ Aber auch Medikamente können solche Anzeichen auslösen: Schlafmittel, Schmerzmittel oder psychiatrische Tabletten gehörten dazu, sogar Mittel gegen Harninkontinenz.

Aber auch wenn eine Demenz festgestellt wird, hat sie oft unterschiedliche Ursachen: eine Alzheimer-Erkrankung, Durchblutungsstörungen im Gehirn, einen Parkinson oder eine Kombination daraus. Ein weites Feld: Bereits jetzt sind eine Millionen Menschen in Deutschland von Demenz betroffen. In den nächsten zehn Jahren werden es zwei bis drei Millionen sein.

Géraldine Lakermann

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