Gemeinsames Stadion von RWE und RWO? Alles olle Kamellen
05.01.2010 | 12:18 Uhr 2010-01-05T12:18:00+0100
Oberhausen.Düsseldorfs Regierungspräsident Jürgen Büssows Vorschläge zu Theater und gemeinsamem Stadion mit Rot-Weiß Essen, die er in einem WAZ-Interview gemacht hatte, gelten im Oberhausener Rathaus als überholt.
Jürgen Büssow (SPD) und seine Genossen in unserer Stadtspitze haben sich ungefähr so lieb wie die Fans von Rot-Weiß Essen und Rot-Weiß Oberhausen. Oder wie die von 1860 und Bayern. Nämlich gar nicht. Insofern kommen einige Aussagen des Düsseldorfer Regierungspräsidenten im WAZ-Interview wohl erstligatauglichen Brandbeschleunigern gleich.
„Entweder Herr Büssow ist nicht im Thema oder er hatte die Fakten nicht parat”, kommentierte Stadtsprecher Rainer Suhr Aussagen des RP zu den Kosten des Oberhausener Theaters. 2007, so Büssow, sei jede Theaterkarte in unserer Stadt mit 146 Euro bezuschusst worden, in Essen hingegen nur mit 93 Euro, was „besonders günstig” sei.
Suhr hält dies für eine nicht seriöse „Milchmädchenrechnung”. Ein Vergleich sei nur aussagefähig, wenn man analog zu den Berechnungen des Städtetages die Kosten des Kulturbetriebes auf die Einwohner einer Stadt umrechne. „In Oberhausen haben wir 2008 einen Zuschuss von 8,3 Millionen Euro gegeben. Das sind 38,48 Euro pro Einwohner”, sagt Suhr. „Essen hat 38,2 Mio Euro fürs Theater ausgegeben, also 65,88 Euro pro Einwohner.”
Auch das Lob für den Mut der Stadt Wuppertal, das Schauspielhaus zu schließen, lässt Suhr nicht gelten. „Wir haben bereits 1993 unser Musiktheater geschlossen. In Wuppertal gibt es aber immer noch ein Musiktheater, ein Tanztheater und Sinfoniker. Das sagt Büssow nicht.” Wer die Oberhausener Bürger ins Theater nach Essen oder Mülheim schicke, der spreche ihnen das Recht auf ein eigenes Theater ab.
Als „populistisch und nicht zu Ende gedacht” bezeichnet der Stadtsprecher Büssows Vorschlag, Eintrittspreise fürs Theater nach Einkommen zu staffeln. „Das gibt's nirgendwo in der Welt. Wie soll das funktionieren? Müssen wir dann alle unsere Lohnsteuerbescheide mit zur Kasse bringen?”, fragt sich Suhr.
Als olle Kamellen wertet er die Idee des Baus eines gemeinsamen Stadions für die Fußballklubs Rot-Weiß Oberhausen und Rot-Weiß Essen an der Stadtgrenze auf Oberhausener Gebiet. Der Gedanke stamme aus den späten 1990er Jahren, als der Abriss des Stahlwerks in der heutigen Neuen Mitte anstand. „Aber weder die Stadt Essen noch Oberhausen sind heute in der Lage, über einen solchen Neubau nachzudenken.”
Die Idee stammt in der Tat von Burkhard Drescher, der sogar einen konkreten Plan machen ließ. Das gemeinsame Stadion sollte neben dem Leuchtturmprojekt O.Vision entstehen. „Hermann Schulz, der damalige RWO-Präsident war dafür”, so Drescher am Montag zu unserer Zeitung. „Das Projekt stieß in der Weltstadt Essen damals aber nur bedingt auf Gegenliebe. RWO war viertklassig und Essen schielte auf die 1. Liga.”
Mit ein wenig Schadenfreude blickt Drescher (58) auf die heutige Situation, in der RWO als fast etablierter Zweitligist gilt und RWE in der vierten Liga kickt. Dass ein solches Projekt trotz großer Rivalität unter den Fans aber möglich sei, zeige die Allianz-Arena in München. „In Oberhausen haben wir seinerzeit entschieden, mit bescheidenen Mitteln, das Niederrhein-Stadion umzubauen”, sagt Drescher. Inklusive Second-Hand-Anzeigetafel, die vom aktuellen Bundesliga Herbstmeister Bayer Leverkusen stammt.
„Es gibt keine Gespräche zwischen den Vereinen zu diesem Thema”, sagt RWO-Sportvorstand Thomas Dietz (48). „Es mag sein, dass im politischen Raum darüber geredet wird.” Die aktuellen Planungen beider Vereine seien außerdem gar nicht kompatibel. Essen wolle mit 35 Mio Euro neu bauen, Oberhausen mit 15 Mio Euro umbauen und ein neues Trainingsgelände schaffen. „Wir stehen zu unserer sparsamen Variante. Mehr ist nämlich nicht zu stemmen. Am Ende zahlen nämlich wir selbst die Zeche”, sagt Dietz.

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