Gemeinsam statt einsam
20.06.2007 | 09:11 Uhr 2007-06-20T09:11:05+0200Warum eine Künstlergemeinschaft keine Wohngemeinschaft sein muss und warum es so schwierig ist, sich beim Kunstmachen über die Schulter schauen zu lassen. Ein Besuch im "Institut für Künstlerhaushaltsentwicklungen"
So stellt man sich einen Künstlerhaushalt vor: ein kleines Haus, recht hübsch gealtert, viel Grün dahinter, die verzierte Eingangstür, sperrangelweit offen. Drinnen: zusammengewürfeltes, kunterbuntes Mobiliar, in der Küche ein pastellrosanes Ikea-Sofa, in der Ecke ein alter Ofen. Der Tisch ist gedeckt, 12 Uhr, Frühstückszeit. Doch von Künstlern keine Spur. Die stehen draußen und präsentieren ihr aus verschiedensten Materialien zusammengezimmertes "Tor".
Demnächst soll es den Eingang zum Haus an der Horststraße schmücken, zuvor jedoch dient es als symbolischer Zugang zur Ausstellung "Künstlerhaushalt", die vom 29. Juni bis 15. Juli in der Ludwiggalerie zu sehen ist.
Der Eindruck trügt, im grünen Idyll mit Pippi-Langstrumpf-Haus lebt keine Kommune, hier lebt nur Ralf Schumann. Und doch gedeiht hier auf einem früheren Bauernhof zwischen Buschhausen und Sterkrade seit anderthalb Jahren etwas, das dem sehr nahe kommt - keine Wohngemeinschaft jedoch, sondern eine Künstlergemeinschaft. Die hat in Vorbereitung auf eine der drei Sommerausstellungen des Arbeitskreises Oberhausener Künstler gleich ein "Institut" gegründet: eines für "Künstlerhaushaltsentwicklung".
Jedes der zwölf Mitglieder, die sich selbst als "zufällige Gruppe" bezeichnen, kann kommen und gehen, kann Ausstellungsraum, Musikzimmer, Werkstätten und Innenhöfe nutzen, um an seinen Werken herumzuwerkeln oder zuzusehen, wie das die anderen tun. "Ein traumhafter Tummelplatz", schwärmt Robert Bosshard, "eine wahnsinnig großzügige Situation". Die ist der Gastfreundschaft des Hausherrn zu verdanken, eine andere Form von Förderung liegt dem Projekt nicht zugrunde. Genau darum geht es.
"Es geht nicht ums Kochen und Essen", erklärt Corinna Kuhn, "sondern um die Ressourcen". Der eine malt, der andere schreibt, ein dritter macht Musik. Man hilft sich, inspiriert und lässt sich inspirieren. Eine fruchtbare Atmos-phäre, die auf Freiwilligkeit beruht und ein System, das aus sich selbst heraus überleben kann. "Eine Alternative zu städtischer Unterstützung", so bezeichnet es Ralf Schumann.
Die Künstler vom "Institut" haben auch eigene Ateliers, ihre eigenen Haushalte, das ist ihnen wichtig. Doch sie kommen gerne zusammen, nicht allein wegen der Ausstellung. Obwohl es im Wesen des Künstlers liegt, sein Werk im Verborgenen anzufertigen, wie Robert Bosshard erklärt. Der fragile Prozess des Schaffens sei nicht geeignet, öffentlich zur Schau gestellt zu werden, "das wäre zu früh", so der Künstler. Doch hier, im "Institut", das so weit von einer solchen Einrichtung entfernt ist, lassen die Künstler es zu, dass der eine dem anderen über die Schulter schaut. Weil es ein geschützter Kreis ist, erklären sie - jetzt bei Tee und Ei am Tisch. Weil die Zusammenarbeit so spannend ist. "Besonders dort", so Bosshard, "wo es nicht zusammenpasst.""Es geht nicht ums Kochen und Essen"

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