Gemeinsam gegen die Krankheit

Atemgeräte gehören für viele Lungenkranke zum täglichen Leben dazu. So manche Übung versetzt die Teilnehmer des Rehasports in großes Gelächter.
Atemgeräte gehören für viele Lungenkranke zum täglichen Leben dazu. So manche Übung versetzt die Teilnehmer des Rehasports in großes Gelächter.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Es ist nicht einfach, täglich mit den Strapazen einer Krankheit zu leben. Der Rehasport hilft den Betroffenen, die Schwierigkeiten des Alltags zu meistern.

Oberhausen.. Dass Sport die Gesundheit fördert, ist bekannt. Doch wie sieht es mit den sportlichen Aktivitäten aus, wenn man bereits erkrankt ist und an Diabetes, Herz- oder Lungenproblemen leidet? Auch diese Menschen können Sport treiben, für sie gibt es spezielle Angebote in Reha-Kursen.

Heute zum Beispiel treffen sich in der Turnhalle des Johanniter Krankenhauses 15 Menschen mit einer Lungenerkrankung, um gemeinsam Sport zu treiben. „Wenn die Leute zum Sport kommen, ist das schon der Anfang des Sports, weil der Weg den Teilnehmern sehr schwer fällt“, sagt Kursleiterin Susanne Hornung. Die meisten leiden unter den Folgen des Rauchens wie zum Beispiel einer sogenannten Raucherlunge.

„Gorilla-Atmung“ im Sportkurs

Der Stimmung im Sportkurs tut das allerdings keinen Abbruch. Dafür sorgen schon allein die verschiedenen Übungen: So geht es bei der „Gorilla-Atmung“ darum, sich wie ein Gorilla auf die Brust zu trommeln. Kein Wunder, dass das die Teilnehmer immer wieder in großes Gelächter versetzt. Und als die Teilnehmer des Kurses aufgefordert werden, auf dem Stuhl sitzend zu marschieren, stimmen sie spontan das Volkslied „Das Wandern ist des Müllers Lust“ an. Für einen kurzen Moment wird die Krankheit vergessen und der Spaß steht im Vordergrund. Zwischen den Übungen gibt es immer wieder aktive Pausen zur Erholung.

Ein Teilnehmer des Kurses ist Thomas Schmidt. Er ist Abteilungsleiter des Rehasports und selbst betroffen. „Ich habe vor fünf Jahren die Diagnose bekommen, dass ich lungenkrank bin. Seitdem betreibe ich selbst den Lungensport.“ Nicht nur der Sport an sich helfe den Menschen. „Es werden so viele Kontakte geknüpft, und der Kampf gegen die gleiche Krankheit schweißt alle im Kurs zusammen“, sagt Schmidt. Bereits 30 Minuten vor den Kursen sitzen die Teilnehmer zusammen, reden über dies und das. Es ist, als ob die Teilnehmer sich bereits seit Ewigkeiten kennen.

Zuckerspiegel und Puls kontrollieren

Eine ähnlich gute Stimmung herrscht dienstags in der Sporthalle des TB Osterfeld. Hier findet unter der Leitung von Rolf Kinter seit mehr als zehn Jahren Herzsport statt. „Wir sind eine sehr harmonische Gruppe, die mit viel Freude Sport für die Gesundheit betreibt“, sagt Kinter. „Unser ältester Teilnehmer nimmt mit seinen 84 Jahren regelmäßig am Herzsport teil und dient als Vorbild für alle anderen“, sagt der Kursleiter lobend.

Die Kurse laufen unter ärztlicher Betreuung ab. Zu Beginn misst der Arzt bei jedem Teilnehmer Blutdruck und Puls. Die Intensität der Kurse hängt vom Leistungsvermögen der Erkrankten ab. „Die meisten kommen gerade frisch aus der Reha. Beschwerden wie das Zwicken der Narbe sind anfangs normal“, sagt Kinter. Für alle Betroffenen gibt es die Möglichkeit, den Herzsport vom behandelnden Arzt verordnen zu lassen. Die Krankenkassen beteiligen sich meist an den Kosten der Kurse.

Doch auch Diabetespatienten können mit Sport ihre Krankheit eindämmen. Seit 13 Jahren leitet Sylvia Lebede, eine gelernte Krankenschwester, die Kurse des OTV. Auf eine Kursteilnehmerin ist Lebede besonders stolz. Diese ist seit neun Jahren mit viel Leidenschaft und Engagement dabei und braucht mittlerweile keine Medikamente mehr gegen die Krankheit. Doch die Kursleiterin betont: „Diese Frau zeigt, dass das Arbeiten in den Kursen effektiv ist. Doch man darf nicht vergessen, dass sie ein Paradebeispiel ist für einen optimalen Genesungsprozess, den man nicht jedem Teilnehmer versprechen kann.“ Doch Sylvia Lebede hilft ihren Kursteilnehmern auch abseits des Sports. „Ich bringe meinen Kursteilnehmern bei, ihren Blutzuckerspiegel und den Puls richtig zu kontrollieren. Dafür ist es notwendig, dass die Werte regelmäßig aufgeschrieben werden und darüber Buch geführt wird.“