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"Gegen Grünewald geht's nicht"

08.11.2007 | 20:13 Uhr

WIRTSCHAFT. Call-Center in der Marina gescheitert. OGM-Chef Schmidt sieht den Grund bei der IHK und ihrem Präsidenten.

Noch gestern Morgen brachte Hubertus Küpper im NRZ-Gespräch seinen Willen zur Vertragstreue zum Ausdruck. Schon dabei aber konnte er nicht verleugnen, wie tief der Riss ist, der zwischen dem Gelsenkirchener Unternehmer und Dirk Grünewald bereits vor einiger Zeit aufgebrochen war. Das haben wohl auch die Stadt Oberhausen und namentlich die Oberhausener Gebäude Management GmbH (OGM) erkannt. Am frühen Abend löste die OGM die Verträge mit dem Call-Center-Unternehmen Tectum auf. "Einvernehmlich", wie es in der Mitteilung hieß.

Von Einvernehmen aber kann nicht einmal im Ansatz die Rede sein. Nach gesicherten Erkenntnissen dieser Zeitung fühlte sich Küpper vor allem wegen IHK-Präsident Grünewald nicht mehr willkommen in dieser Stadt. Auch ein kürzlich auf Küppers' Wunsch geführtes Vermittlungsgespräch scheiterte.

Offenbar waren die Fronten schon zu sehr verhärtet, nachdem durch Indiskretionen aus dem Aufsichtsrat der Oberhausener Wirtschaftsförderung unter anderem die großzügigen Bedingungen, unter denen Tectum hier mieten sollte, öffentlich wurden.

Die Ansiedlung des Call-Centers in der Marina sei von wichtigen Persönlichkeiten in Oberhausen nicht erwünscht gewesen, ließ OGM-Chef Hartmut Schmidt nun wissen. Nach seiner Auffassung gebe es keinen Spielraum, eine solche Ansiedlung gegen die Interessen der Industrie- und Handelskammer und "namentlich gegen die Aktivitäten des Herrn Grünewald" durchzusetzen.

Oberbügermeister Klaus Wehling, der gestern "keinen schönen Tag" hatte, drückte sich zurückhaltender aus, zielte aber offenbar in die gleiche Richtung: "Ich kenne keine andere Stadt, wo Mietverträge und ihre Details auf dem Marktplatz diskutiert werden." Für Tectum sollte durch die OGM ein Bürogebäude erstellt werden, das die Firma dann in den ersten fünf Jahren zum Quadratmeterpreis von 4,34 Euro mieten durfte.

Wehling sprach von einer "bitteren Erfahrung" und wies darauf hin, "dass ich bis zuletzt für diese Ansiedlung mit 500 neuen Arbeitsplätzen gekämpft habe." Oppositions-Führer Daniel Schranz dagegen kritisierte "das wieder einmal katastrophale Wirtschaftsmanagement der Stadt."

Er könne das Scheitern nicht wirklich bedauern, so der CDU-Politiker: "Es ist natürlich schade um die Arbeitsplätze, aber für die OGM war es nicht wirklich ein gutes Geschäft." Auch hätte man mit der Ansiedlung von Tectum einen Präzedenzfall geschaffen. "Andere Firmen hätten demnächst mit Recht die gleichen Bedingungen gefordert."

HANNES FRITSCHE

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