Gefährlicher Trend

Die katholische Sankt-Martin-Grundschule wird geschlossen. Die Verwaltung folgt damit der Empfehlung der Schulkonferenz der betroffenen Schule und den zu geringen Anmeldezahlen. Eine gute Verwaltung ist dazu da, ökonomisch und effizient Zielvorgaben umzusetzen. Sie tut es mit Hilfe von Bilanzen und Statistiken sowie verabredeten Verwaltungsvorschriften. Wenn Verwaltung also handelt, ist ihr daraus kein Vorwurf zu machen. Aber Verwaltung ist nicht dazu da, die Zielvorgaben zu entwickeln. Das ist Aufgabe der Gesellschaft und gesellschaftlicher Gruppen. Wenn nun wieder eine Schule geschlossen wird, dann sollten wir darüber diskutieren, ob dieser Trend von uns gewollt ist. Viele kleine Grundschulen sind in letzter Zeit geschlossen oder zusammengelegt worden. Die Hauptschulen sind alle zur Schließung vorgesehen. Die Förderschulen stehen vor ihrem Aus. Unsere Schullandschaft verarmt. Offensichtlich trauen wir nur großen Schulen zu, unsere Kinder gut auszubilden. Kleineren Systemen kann es, trotz guter Arbeit, schnell passieren, dass sie Mindestzahlen unterschreiten. Dann entscheidet die Anmeldezahl und nicht die Qualität. Und bei der Sankt-Martin-Schule stellt sich noch eine weitere Frage: Wird im sozialen Feld „Innenstadt Oberhausen“ ein katholisches Milieu mit seinen Wertesystemen gebraucht, mit seinen Ehrenamtlichen und gesellschaftlichem Engagement? Insbesondere die Katholiken in der Stadtmitte müssen sich fragen, wie wichtig ihnen eine katholische Grundschule in ihrem Stadtteil ist.