"Ganz klar ein Wermutstropfen"
10.03.2009 | 21:00 Uhr 2009-03-10T21:00:00+0100
Das Centro hat Probleme mit den Banken: Geschäftsführer Frank Pöstges erklärt, warum die Erweiterung des Einkaufzentrums verschoben werden muss.
Als die NRZ Frank Pöstges tefonisch in Brüssel erreichte, hatte er gerade mit einem deutschen Kollegen gesprochen. Der Zufall wollte es nämlich, dass sich in der belgischen Hauptstadt am Dienstag der Verband der europäischen Shopping-Center traf, und nach Aussagen des Centro-Managers hatten fast alle die gleichen Probleme: Die Banken rücken kein Geld raus.
Bei Pöstges klang das natürlich eleganter. Es gebe derzeit keinen Markt, auf dem Kreditinstitute zu vernünftigen Konditionen Projekte finanzierten, wie sie in der Neuen Mitte geplant sind, erklärte der 43-jährige Manager. Und weil die Stadium Group als Investor keine 100 Millionen Euro aus der eigenen Tasche hinlegen könne, liege die Centro-Erweiterung jetzt erst einmal „für ein paar Monate” auf Eis.
Bis Ende des Jahres tut sich nichts
Hoffnung auf 700 neue Arbeitsplätze.
Insgesamt 100 Millionen Euro sollen in den Ausbau des Centros fließen. Mit einem Zehntel davon soll das Ringstraßennetz optimiert werden. Rund 700 neue Teilzeit- und Vollarbeitszeitplätze sollen entstehen. Terminiert war der Baubeginn für die erste Hälfte diesen Jahres. Bis zum Herbst 2010 sollten die Arbeiten abgeschlossen sein.
Der neue Bereich mit 23 000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist im Bereich der südlichen Centromall zwischen den Parkhäusern 5 und 6 geplant. Der Haupteingang soll bis zur Centroallee vorgezogen werden. Durch die Maßnahmen hofft das Centro, die Zahl der Besucher von 23 Millionen auf 27 Millionen steigern zu können.
„Bis Ende des Jahres glauben wir nicht, dass sich was tun wird”, erklärte Pöstges auf die Frage, was denn „einige Monate” heiße. Aber die Erweiterung um 30 000 Quadtratmeter mit 23 000 Quadratmetern Nettoverkaufsfläche (siehe Kasten) müsse und werde kommen. „Wir wollen das mit allen Mitteln. Aber die Zeit muss richtig sein”, blickte er erst einmal auf das Jahr 2010.
Der Geschäftsführer hält den Ausbau für dringend notwendig, „auch weil unsere Kunden mit dem Centro älter geworden sind”. Dies hat wohl als Hinweis auf die Ansiedlung von Peek & Cloppenburg zu gelten, dessen Angebot sich bekanntlich nicht an die ganz junge Klientel richtet.
P & C bleibe als größter und wichtigster Mieter mit an Bord, erklärte Frank Pöstges. „Der Vertrag steht unverändert. Außerdem haben wir ein fast partnerschaftliches Verhältnis, und das braucht man auch, wenn man so ein großes Ding wuppt.” Natürlich habe man bei dem Textilriesen nicht gejubelt, als man von der Verschiebung erfuhr, „aber gejubelt haben wir auch nicht”. Dies sei „ganz klar ein kleiner Wermutstropfen”.
Laut Pöstges hatte sich die Entwicklung bei den Erweiterungsplänen schon vor einiger Zeit angekündigt, letzte Woche habe man dann endgültig festgestellt, dass die Sache nicht funktioniert. Gestern ging man mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit.
Die Stadt wies nach dem überraschenden Bekanntwerden der Verschiebung vor allem auf die Formulierung „für einige Monate” hin. Rainer Suhr, Leiter des Presseamtes: „Wir erleben derzeit nicht das Zeitalter für Immobiliengeschäfte.” Andere Unternehmen müssten noch schlechtere Nachrichten melden.
Im Übrigen gab sich der Pressesprecher äußerst entschlossen. „Stadt und Centro haben gemeinsam gekämpft und sind bis vor das Bundesverwaltungsgericht gegangen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Erweiterung auch erfolgt.”

0mitdiskutieren