Friedensdorf Oberhausen kritisiert Kriseneinsätze des Westens

Die sechsjährige Kaya ist eines der ersten Kinder, die aus Gaza ins Friedensdorf kamen. Ein Kriegsgebiet mehr, in dem die Einrichtung tätig wurde.
Die sechsjährige Kaya ist eines der ersten Kinder, die aus Gaza ins Friedensdorf kamen. Ein Kriegsgebiet mehr, in dem die Einrichtung tätig wurde.
Foto: Volker Hartmann / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Anlässlich der Mitgliederversammlung des Friedesdorfes kritisierte dessen Vorsitzende Susanne Grünewald die Politik des Westens in Krisengebieten.

Oberhausen.. Kritische Worte fand die Vorsitzende des Friedensdorfes, Susanne Grünewald, zur aktuellen Entwicklung in Kriegs- und Krisengebieten anlässlich der Mitgliederversammlung der Hilfsorganisation. Wie das Friedensdorf mitteilt, bedauerte Grünewald, dass auch der Westen nicht aus seinen Fehlern lerne: Der 2014 beendete ISAF-Einsatz in Afghanistan habe kein stabiles, sicheres Land hinterlassen: „Demgegenüber ist es im Zuge von Konfliktlösung und Friedensarbeit immens wichtig, Kinder und Jugendliche einzubeziehen, schließlich gestalten sie die Zukunft.“

Grünewald nahm, so Friedendorf-Sprecherin Jasmin Peters, auch Bezug zum Nahen Osten, wo der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern seit Jahren eskaliert: „Dort wie andernorts zeigt sich, dass sich durch Militäreinsatz kein Frieden herstellen lässt.“

Erfreut über Jugendfriedenspreis

Mit Friedensdorf-Leiter Thomas Jacobs und den Mitarbeiterinnen des Bildungswerkes freute sich die Vorsitzende, dass Oberbürgermeister Klaus Wehling das Friedensdorf Bildungswerk Anfang 2015 zum Mitträger des Oberhausener Jugendfriedenspreises ernannte.

Die Hilfseineinrichtung informiert einmal im Jahr ihre Mitglieder über die Arbeit in den Kriegs- und Krisengebieten. Den Schwerpunkt bildeten erneut zwei große Hilfseinsätze mit Charterflügen nach Afghanistan und Zentralasien sowie zwei nach Angola. Zudem gab es erstmalig einen Hilfseinsatz in Gaza, bei dem 42 palästinensische Kinder zur medizinischen Behandlungen nach Deutschland geholt worden waren. Mehr als die Hälfte der Kinder ist nach erfolgten Behandlungen inzwischen zurück in ihrer Heimat, weitere sollen in Kürze folgen.

Neuwahl des Vorstands

Beim zweiten Standbein, der Projektarbeit vor Ort, gab es Positives zu berichten: Die Projekte in Usbekistan und Kambodscha – mit zahlreichen Basisgesundheitsstationen und einem Zirkusprojekt – arbeiten ebenso wie das Rehabilitationsprogramm in Armenien ausgesprochen gut, betonten die Friedensdorf-Mitarbeiter, die sich davon vor Ort überzeugt hatten.

Die Rechenschaftsberichte, die Entlastung des Vorstandes und anstehende Neuwahlen durch die Mitgliederversammlung standen ebenfalls auf der Tagesordnung. Dabei wurden Susanne Grünewald als Vorstandsvorsitzende und Klaus Wieprecht als Schatzmeister in ihren Ämtern bestätigt.

Eine traurige Pflicht musste Grünewald allerdings auch wahrnehmen: Sie informierte die Anwesenden darüber, dass wenige Tage vor der Mitgliederversammlung ein Mädchen aus Angola in einer Klinik in Passau verstorben war.