Freie Feder
17.12.2007 | 17:52 Uhr 2007-12-17T17:52:16+0100Die Schüler des Elsa-Brändström-Literaturkurses veröffentlichen die zehnte Auflage von "Am Anfang schreibt man für den Papierkorb". Kreative und ungewöhnliche Kurzgeschichten und Gedichte
"Gestern sahen wir noch fern und die Nachrichten sahen wir gern. Heute ist er nicht mehr da, denn dort, wo gestern noch der Fernseher war, liegt auf dem Boden nun der Kram von der Wand, durch die der Porsche kam . . ."
Heinz Schumacher stößt an seine Grenzen. "Es gibt Schüler, die können es einfach besser als ich." Im Literaturkurs der Elsa-Brändström-Schule muss der Deutsch- und Philosophielehrer auch mal Gegenwind ertragen. "Bei seinen Texten bin ich immer besonders kritisch", sagt Schülerin Ronja Nappe. Doch die Einwände an seinen Gedichten findet Heinz Schumacher konstruktiv, ansonsten würde es den Kurs "Kreatives Schreiben" und mit ihm die bereits zehnte Veröffentlichung der gesammelten Werke gar nicht mehr geben.
"Am Anfang schreibt man für den Papierkorb" heißt das Buch, auch wenn aus dem realen mittlerweile der virtuelle Abfalleimer geworden ist. Geschrieben wird heutzutage nämlich am Computer. Zerknülltes Papier gibt's nicht mehr. Fern von allen Zwängen eines Deutsch-Leistungskurses dürfen die Schüler bei Heinz Schumacher mit freier Feder schreiben. Kurzgeschichten, Gedichte - was inspiriert. Der Lehrer gibt Anregungen ohne Zwang. Mit Schreibspielen und Übungen zum Umgang mit der deutschen Sprache reizt Schumacher die Kreativität der Schüler. Und er schreibt selber fleißig mit.
"Gestresst komme ich von der Arbeit nach Hause. Möchte mich nur noch auf die Couch legen, Beine auf den Tisch, und in Ruhe das Skispringen gucken. Dann passiert das, wovor ich am meisten Angst habe. "Schatz, ich habe eine Überraschung für dich."
Geschrieben, nur für sich allein, haben die Schüler zuvor alle schon, doch die Plattform, die Texte öffentlich zu machen, fehlte. Schließlich rufe man keinen Freund an, um ihm das neuste Gedicht vorzutragen. "Die Kritik der Mitschüler ist ganz wichtig", sagt Theresa Jürgens, sie sei völlig anders, als die des Lehrers. Interessant sei es, zu hören, was andere darüber denken. "Wenn man die Person kennt, die etwas geschrieben hat, versteht man besser, was sie meint", ergänzt Ronja Nappe.
"Ich bin jetzt genauso alt wie mein Vater, als er starb. Es war im Sommer, die Bäume trugen dichte, grüne Kronen. Die Vögel zwitscherten, die Sonne schien und es war warm. Kinder spielten auf der Straßen und Vater bekam eine Spritze gegen seinen Wahnanfall."
"Lebensgeschichten", nennen die 18- und 19-Jährigen die Inhalte ihrer Texte, die ernsthaft und komisch sind, überraschende Wendungen nehmen und zum Schmunzeln verleiten wie die Gedichte über die Küchenschabe und den Altglascontainer. Aufgelegt wurden die Schülertexte zum zehnten Mal im Verlag Karl Maria Laufen. "Heinz Schumacher hat mich mit diesem Schulprojekt regelrecht in Flammen gesetzt", erzählt Verleger Wilhelm Kurze. "Das Buch ist ein schöner Abschluss von etwas Produktivem."
"Dann war Stille, eine angenehme Stille, wie sie nicht in den Ohren dröhnt, sondern wie sie einfach da ist, um zu zeigen, das Nichts ist."

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